Ich bin doch nicht blöd …

Ich war vor gar nicht allzu langer Zeit in einem großen Elektronik-Markt. Welcher genau, ist egal, denn es trifft auf so gut wie alle größeren Elektronikmärkte zu.

Meine Freundin und ich hatten vor dem Kino etwas Zeit und ich wollte sowieso mal an der Canon EOS 650D rumspielen. Der Touchscreen hatte mich neugierig gemacht. Um darüber nun urteilen zu können, war ich zu kurz dort. Das nur so nebenbei erwähnt. Aber als wir gehen wollten, wurden wir von der Seite angesprochen, dass wir die Kamera bitte ausmachen sollten, denn die eingeschaltete Kamera würde den Akku leeren. Gut, meine Nikon schaltet sich von selbst ab und gut ist, die 350D von meinem Vater auch. Ich nehme mal an, dass das die 650D auch macht. Naja, bei der Aussage hab ich mir noch nichts gedacht. Doch dann verwickelte mich die „Beraterin“ in ein Gespräch.

Ich erzählte ihr, dass ich Nikon-D7000-Benutzer bin und nur neugierig auf den Touchscreen war. Sie wusste schon, dass die D7000 eine Klasse über der 650D rangiert. Gut, das ist nicht schwer zu erraten, denn der Preis ist doch signifikant höher. Nun kam ich auf die Vorteile zu sprechen. Wertigeres Gehäuse, Wetterschutz (da verzog sie schon ihr Gesicht) und den 100%-Sucher. Da wollte die gute Frau mir weiß machen, dass die D7000 keinen 100%-Sucher hätte, eher so 97%. WAS?! Laut Datenblatt und meiner Erfahrung hat die D7000 sehr wohl einen Sucher mit 100% Bildfeldabdeckung! Nein, das könne nicht sein, meinte sie. Tests hätten ergeben, dass die Pentax K30 als einzige Kamera einen 100%-Sucher hätte. Als ich dann fragte, warum ich dann genau den Bildauschnitt des späteren Fotos im Sucher sähe, erwiderte sie nur, dass das Einbildung wäre. Damit war für mich das Gespräch beendet, denn soviel Unsinn und Anmaßung muss ich mir nicht antun.

Aber mal ganz sachlich, die D7000 hat defintiv einen Sucher mit 100% Bildfeldabdeckung. Die Vergrößerung beträgt jedoch 0,94-fach. Also man sieht im Sucher genau den Ausschnitt des späteren Bildes, jedoch ist das im Sucher sichtbare Bild nur 94% so groß, wie die APS-C Sensorgröße. Man sieht also alles, nur etwas kleiner, als es der Sensor „sieht“.

Bildfeldabdeckung 100%-Sucher

Innerhalb des roten Rahmens ist der in einem 97%-Sucher zu sehende Bildausschnitt zu sehen. Im 100%-Sucher sieht man alles vom späteren Foto.

Also liebe Mitarbeiter der Elektronik-Märkte, wenn ihr keine Ahnung habt, dann lasst eure Geschichten sein. Besser wäre es natürlich, wenn ihr euch weiterbilden würdet. Aber bitte nicht nur durch Herstellerprospekte! Schließlich wird nur gute Beratung vom Kunden belohnt! Wer Mist erzählt, wird seine Kunden langfristig vergraulen und Reputation ist schwer wieder aufzubauen, wenn sie einmal im Eimer ist. Klar, das hier ist ein absolutes Negativbeispiel und nicht jeder Kundenberater wird so mies sein. Aber genau diese Fehlberatung – und das war nicht die erste, die ich in diesem Markt erlebte – ist der Grund, warum ich dort nichts kaufe. Mein Kaufprozedere sieht so aus, dass ich in einen Elektronik-Markt gehe und dort teste, der Kauf erfolgt jedoch im Internet. Für eine gute Beratung wäre ich sogar bereit, einen Preisaufschlag gegenüber den Internetpreisen in Kauf zu nehmen. Und da ich da nicht der einzige bin, sollten die entsprechenden Händler vielleicht mal ihre Philosophie überdenken.

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