Wasserspiele mit der Trial-and-Error-Methode

Ich belese mich zwar gern, was fotografische Themen betrifft, aber hin und wieder experimentiere ich auch. Einfach, weil ich nach dem Motto „Versuch macht klug (oder kluch)“ agiere, um Erfahrungen zu sammeln. Der folgende Beitrag ist weniger ein Versuch Wissen zu vermitteln, als vielmehr der Appell an alle, gewohnte Pfade zu verlassen und fotografisches Neuland zu betreten.

Da ich etwas Zeit hatte und mich Tropfenfotos begeistern, wollte ich das selbst auch mal ausprobieren. Klar, über die grobe Theorie hab ich mich vorab informiert, aber die Details wollte ich selbst herausfinden. Also habe ich mir ein ein paar Sachen geschnappt, von denen ich dachte, sie wären nützlich. Handtücher und Gläser zum Beispiel, dazu noch Hocker und Wasserflaschen. Ganz wichtig sind Blitze und entsprechende Blitzneiger für die Lampenstative. Außerdem habe ich einen Kabelfernauslöser für die Kamera und Funktblitzauslöser benutzt. Alles in allem sah das dann so aus:

Setup Tropfenfotografie

Tropfenfotografie 1.0

Zwei Blitze sind für die Tropfen da und einer für den Hintergrund. Die Tropfen kamen aus einer Flasche, in deren Deckel ich ein Loch gebort hatte. Den Untergrund bildete eine umgedrehte Servierplatte aus Edelstahl. Ich dachte, dass das ganz nette Ergebnisse liefern würde. Tat es auch, aber nicht mit einem weißen Hintergrund, also nahm ich buntes Geschenkpapier zur Hilfe und die Resultate waren defintiv besser.

das bunte Geschenkpapier sorgt für Farbeffekte im Wasser

das bunte Geschenkpapier sorgt für Farbeffekte im Wasser

Ein Problem, dass sich schnell herauskristallisiert hat, war, auf den richtigen Punkt vorzufokussieren. Die Wassertrofen fallen nicht immer genau da hin, wo man scharf gestellt hat. Daher wurde am Anfang vielleicht eins von fünf Fotos an der richtigen Stelle scharf. Mit etwas Übung wird das besser. Den richtigen Zeitpunkt zum Auslösen zu finden, ist dann trotzdem noch etwas Glückssache. Ungefähr zehn Prozent der Fotos waren korrekt fokussiert und zeigten brauchbare Tropfen oder Spritzer. Fotografiert habe ich mit meinem 90mm Makro von Tamron. Ein weiteres Problem, das sich ergab, ist die geringe Schärfentiefe selbst bei einer Blende von f/13:

Tiefenschärfe

die geringe Tiefernschärfe sorgt dafür, dass zwar der Aufschlagpunkt scharf ist, die Spritzer vor und hinter diesem Punkt jedoch nicht

Diese Resultate waren mir dann nicht gut genug und ich probierte etwas Neues. Diesmal nahm ich ein Glas mit Wasser und ließ ein 1-Cent-Stück hineinfallen. Ganz wichtig war hier, dass ich ein tiefes Backblech als Auffangwanne unter das Glas gelegt hatte, sonst wären die Handtücher im Nu vollgesogen gewesen. Ich nutze dafür nun ein 50mm Nikkor, vor allem, da hier die Tiefenschärfe größer sein würde. Der Vorteil an diesem Experiment war, dass ich das Glas als Fokussierhilfe zur Verfügung hatte. Selbst mit weißem Hintergrund ließen sich gute Fotos schießen:

Dennoch wechselte ich auf einen schwarzen Hintergrund, einfach um die Wasserspritzer mehr betonen zu können. Außerdem wählte ich ein anderes Glas und warf nicht nur einen Cent hinein, sondern ließ auch Wasser aus einer hochgehaltenen Flasche hineinlaufen. Auch hier macht Übung den Meister. Ergänzend zu erwähnen ist, dass ich nunmehr drei Systemblitze benutzt habe (Metz 58AF-2, Yongnuo YN460 und Yongnuo YN560). Deren kurze Abbrennzeit friert die Bewegung des Wassers am besten ein. Die Belichtungszeit spielt ja sowieso keine Rolle. Hier mal ein paar Beispielresultate:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Meine letzte Anpassung führte mich wieder zurück zu der Edelstahlplatte, die ich mit Wasser betropfte. Diesmal war der Hintergrund jedoch schwarz und ich färbte das Blitzlicht ein. Zu der Zeit besaß ich noch keine Gelfilter, also musste dünnes Origamipapier herhalten:

Tropfenfotografie 2.0

Tropfenfotografie 2.0

Als Untergrund musste wieder die Servierplatte herhalten. Den Kamerastandpunkt wählte ich diesmal etwas tiefer und ich nutzte wieder ausschließlich das 50er Nikkor. Da ich nun schon etwas mehr Geschick im Umgang mit meiner Tropfflasche hatte, stieg der Anteil der brauchbaren Fotos. Dennoch waren die Spritzer und Tropfen nicht perfekt eingefroren. Der Grund ist relativ simpel: durch das Origamipapier vor den Blitzen musste ich diese relativ weit hochregeln (1/4 bis 1/2 Leistung) und dadurch verlängert sich ihre Abbrenndauer. Das Origamipapier schluckt immerhin zwischen einer und zwei Blenden Blitzleistung.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Was ich aus diesem Experiment gelernt habe, bzw. was ich daraus mitnehme? Übung macht den Meister und gut Ding will Weile haben! Außerdem ist die Abbrenndauer der Blitze entscheidend, nicht die Belichtungszeit. (Zudem brauch ich unbedingt noch ein kleines Aquarium, um nicht immer so eine Sauerei zu machen =D ) Ich habe mir für die Zukunft vorgenommen, öfter solche Versuche in Sachen Fotografie zu unternehmen. Zum einen, weil es mir Spaß gemacht hat, zum andern, weil es mein fotografisches Verständnis gesteigert hat.

Als Bonus noch ein Foto, dass eher durch Zufall entstanden ist. Ich habe versucht farbliche Effekte durch den Einsatz von blauem und orangenem Badezusatz zu erzielen. Deren ölige Konsistenz würde für nette Farbschlieren im Wasser führen, so dachte ich jedenfalls. Naja, hat nicht geklappt, stattdessen setzte sich das Zeug am Glasboden ab. Da ich nun zu faul war, das Glas wieder zu reinigen, ließ ich einfach mal wieder den Cent reinfallen und das ist das Ergebnis:

Sturm im Wasserglas

Sturm im Wasserglas … ein Zufallsprodukt

Ich empfehle jedem, sich seinen fotografischen Zielen ab und an mal mittels der Trial-and-Error-Methode zu nähern. Denn nichts ist schlimmer, als nicht zu wissen, warum etwas funktioniert, oder eben nicht. Durch simples Nachahmen von vorgekautem Wissen aus diversen Büchern, Foren, etc. entsteht keine Erfahrung und die ist in meinen Augen durch nichts zu ersetzen. Anregungen hingegen sollte man sich defintitiv aus so vielen Quellen wie möglich besorgen.

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4 Kommentare zu „Wasserspiele mit der Trial-and-Error-Methode

  1. Wahnsinn – das sind ja super Fotos geworden. Habe mal einen Zeitungsartikel über einen „Tropfenfotografen“ gelesen und war sofort fasziniert – meine stümperhaften Versuche sind aber an meiner Ungeduld gescheitert … LG Steineflora

  2. Nehme da ein Infusionsbesteck aus der Apotheke für 1€ für.
    Lasse die ersten Tropfen auf eine Schraube fallen um scharf stellen zu können.
    Da es so langsam wieder zu der ungemütlichen Zeit geht könnte ich auch mal wieder ein paar Tropfen fotografieren.
    Danke für deinen Bericht.

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