Woher bekomme ich als Anfänger mein Fotowissen? – Teil 1: Fotozeitschriften

Als Anfänger in Sachen Fotografie stellt man sich häufig die Frage, woher bekomme ich das Grundlagenwissen und zudem noch die besten Tipps und Tricks? Wer kann mich bei der Kaufentscheidung für eine Kamera und Zubehör am besten beraten? Sollte ich eine Fotozeitung abonnieren, mir Fotobücher kaufen, in Foren aktiv werden, Blogs lesen oder doch lieber bei Fotochannels in Youtube suchen? Diesen Fragen habe ich mir selbst oft genug gestellt und möchte hier meine Erfahrungen teilen. Den Anfang machen die Fotozeitschriften.

Fotozeitschriften

Fotozeitschriften – die Qual der Wahl

Fotozeitschriften gibt es wie Sand am Meer. Und genau das ist das Problem. Woher soll man wissen, welche man nehmen soll? Schließlich überbieten sich die Verlage gegenseitig mit immer peppigeren Titelseiten, immer reißerischeren Artikelüberschriften und dem immer exklusiveren Insiderwissen. Der geneigte Leser ist dann schnell versucht alle Zeitschriften zu kaufen. Macht das bloß nicht! Das wichtigste beim Auswählen ist nämlich Ruhe und sich Zeit bei der Entscheidung zu lassen. Ginge man nur nach den Titelblättern, so wäre natürlich jedes Fotomagazin das Richtige. Auch ich habe mich zu oft von den Titelseiten blenden lassen. Die DigitalPhoto hatte ich sogar ein Weile abonniert. Im Nachhinein betrachtet, war das reine Geldverschwendung! Am besten ist es, wenn man sich den Inhalt anguckt und einige Artikel querliest. Dann bekommt man relativ schnell einen Überblick über die Themen und ob der Inhalt mit dem übereinstimmt, was man erfahren möchte.

Von einem Abo rate ich aus eigener Erfahrung ab. Nach einer kurzen Zeitspanne wiederholen sich die Themen in erschreckender Regelmäßigkeit. Während meiner Abo-Zeit (15 Monate) wurde das Thema richtige Belichtungsmessung mit der Kamera (Spot, Matrix oder Mittenbetont) vier Mal behandelt. Zudem nimmt die Qualität der Artikel immer mehr ab, und da meine ich nicht nur die teilweise gruselige Rechtschreibung, sondern vor allem den Inhalt. Auch die gezeigten Beispielfotos in den Workshop-Rubriken werden immer schlechter, bzw. wiederholen sich. Und das ist nicht nur bei der DigitalPhoto der Fall. Daher ist es in meinen Augen besser, sich einmal im Monat die Mühe zu machen und in den Zeitschriftenladen des Vertrauens zu gehen und kritisch zu Prüfen, welches Magazin hilfreich ist. Denn es ist ja so, dass eine Fotozeitung nicht unbedingt schön sein muss, sondern eher anregen und vor allem helfen soll.

Besondere Betrachtung in negativer Hinsicht bekommen von mir die Techniktests in den Fotozeitschriften, wie DigitalPhoto, FotoMagazin, ColorFoto, etc. Diese Tests sind allesamt so gut wie nutzlos in meinen Augen. Ja klar, da wird alles unter Laborbedingungen überprüft und fein säuberlich in Zahlenform ausgedrückt. Aber was sagt das letzten Endes über ein Objektiv oder eine Kamera im Praxisumfeld aus? Wenig bis nichts! Kameras werden generell im jpeg-Modus getestet, egal ob Kompaktkamera oder Profimodell alà Nikon D4 oder Canon 1D X. Gerade bei Spiegelreflexkameras nutzen viele den RAW-Modus! Bei Objektiven das gleiche Spiel. Hier kommt noch hinzu, dass zum Beispiel das Auflösungsvermögen von Objektiven für das Nikon DX-Format immernoch mit der D300s (sehr gute Kamera, ohne Zweifel, aber eben nur 12,3 MP) getestet wird. Diese Tests sind wenig aussagekräftig, wenn man eine D7000 (16,2 MP) oder gar eine D5200 (24 MP) benutzt, denn hier kann das Auflösungsvermögen schon ganz anders aussehen. Bei Canon-Modellen wird übrigens die 60D verwendet (18 MP). Weiterhin nützt dem Leser eine Bewertung der einzelnen Kategorien bis auf zwei (!) Nachkommastellen einer Prozentwertung nichts. Wie kommt man eigentlich auf eine Bewertung der Haptik von z.B. 87,78% (DigitalPhoto 07/2012, S.50)? Was sagt so etwas aus? Für einen groben Überblick mögen die Tests reichen, für mehr aber auch nicht!

Häufig gibt es in den Magazinen auch eine Rubrik, die sich um Fotowissen dreht, bzw. praktische Beispiele behandelt. Die Idee ist ja gut, aber die Umsetzung häufig zum fürchten. Was da an Beispielfotos gezeigt wird, ist meist dermaßen mies und beliebig, dass man gar nicht erst in die Versuchung kommt, deren Tipps nachzumachen. Und dann kommen häufig noch Photshop-Beispiele, die zwar ganz nett sind, aber teilweise mittels richtiger Fototechnik obsolet wären. Warum überbelichtete Fotos in PS retten, statt gleich richtig belichten? Warum bei einem Portrait aus einem Modelshooting nachträglich den Hintergrund unscharf machen, wenn man doch gleich eine besser geeignete Blende hätte wählen können? Das ist doch verwirrend für jeden Anfänger! Der sagt sich dann: egal, wie das Foto aus der Kamera kommt, ich kanns ja in PS retten. Das ist die vollkommen falsche Herangehnsweise in meinen Augen. Photoshop sollte in der Fotografie der letzte Anker sein, es sei denn man möchte real nicht erzeugbare Spezialeffekte einsetzen. Oder eine Szenerie mit zu großem Kontrastumfang korrekt abbilden (siehe auch hier).

Es gibt jedoch auch positive Ausnahmen in qualitativer Hinsicht. So legen sowohl Pictures, als auch Photographie ihr Hauptaugenmerk auf Fotos und sind daher perfekt, um sich Anregungen zu holen. Auf fragwürdige Labor-Testmethoden wird hier verzichtet. Abonnieren werd ich sie trotzdem nicht, noch nicht 😉

Fazit: Der Inhalt von Fotozeitschriften lässt häufig zu wünschen übrig, und sind daher für Anfänger nicht zu empfehlen. Allein schon, da man als Anfänger nur wenig brauchbare Tipps bekommt und die Grundlagen nur Stück für Stück behandelt werden. Das ist für Anfänger nicht zielführend und daher wenig sinnvoll. Das Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und ISO wird zwar halbjährlich behandelt, aber in nicht ausreichender Form und gerade dieses Grundlagenwissen ist nötig, um Fotografie „zu verstehen“. Denn es ist doch sinnlos, Wissen über Bildkomposition zu besitzen, aber nicht zu wissen, mit welchen Parametern man es am besten ablichtet.

Was haltet ihr von Fotozeitschriften und deren Qualität?

Teil 2: Bücher über Fotografie folgt morgen

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2 Kommentare zu „Woher bekomme ich als Anfänger mein Fotowissen? – Teil 1: Fotozeitschriften

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