Meine Arbeitsweise in Lightroom 4 – Making-of Wertach

Da es großes Interesse an meinem Foto „Wertach“ und dem Artikel  „Lightroom 4 und die D7000“ gab, habe ich mich entschlossen, am Beispiel des Wertach-Fotos meine Arbeitsweise in Lightroom 4 bei Landschaftsfotos zu erläutern. Dabei soll es ausschließlich um die Bildbearbeitung, genauer gesagt die Raw-Entwicklung gehen. Wie ich Fotos aussortiere und ordne/archiviere, werde ich später mal erläutern.

Nach dem Import der Raw-Dateien, und noch vor dem ersten Aussortieren, frage ich mich häufig, ob manche Fotos überhaut noch zu retten sind. Und vor allem, wie ich es vielleicht bewerkstelligen könnte. Meist entwickle ich beim Probieren schon eine grobe Idee, wie das spätere Foto einmal aussehen soll. Nun zum Wertach-Bild; so sah das Foto im unbearbeiteten Zustand (häufig auch als „out-of-cam“ bzw. „ooc“ bezeichnet) aus:

Start in Lightroom - die unbearbeitete Raw-Datei

Start in Lightroom – die unbearbeitete Raw-Datei

Man kann gut sehen, dass der Himmel zu großen Teilen einfach nur weiß ist, jedoch nicht ausgebrannt. Dazu kann man sich in Lightroom die Lichterbeschneidung anzeigen lassen, entsprechende Bereiche sind dann rot markiert. Bei diesem Foto war das nur bei dem Teil der Fall, der später mal als Sonne erkennbar wird (oben links). Auf der anderen Seite wirkt die Landschaft sehr flau und kontrastarm. Das ganze Bild wirkt somit eher langweilig und wenig betrachtenswert. Dies wollen wir nun ändern! Dazu geht man in den Entwickeln-Modus (Tastenkürzel „d“) und fängt an.

Als erstes klicke ich bei solchen Extremfällen zumeist erstmal auf den Button „Autom.“ im Abschnitt „Tonwert“. Jetzt versucht Lightroom automatisch die Tonwerte zu optimieren. Das Ergebnis ist meist ein guter Einstieg in die nachfolgende Bearbeitung. Alternativ kann man auch mit sogenannten Presets starten. Diese sind links im Entwickeln-Modul zu finden. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Presets kann man sich im Internet weitere Presets herunterladen, teilweise kostenlos, teilweise kostenpflichtig. Eine gute Seite für kostenlose Presets ist lightroomkillertips.com. Beim Wertach-Bild startete ich jedoch mit der automatischen Tonwertanpassung.

automatische Tonwertanpassung in Lightroom

automatische Tonwertanpassung in Lightroom

Das Ergebnis ist etwas besser geworden. Dass sich etwas am Foto getan hat, sieht man sehr deutlich am Histogramm oben rechts in Lightroom. Die Lichter wurden abgesenkt, die Tiefen angehoben und die Mitteltöne verstärkt. Aber das Resultat reicht mir nicht, denn dem Foto fehlt eindeutig immer noch der Pepp. Also sehe ich mir jetzt jeden Schieberegler im Tonwert-Abschnitt einzeln an und optimiere weiter. Zuerst Belichtung und Kontrast. Lightroom neigt dazu den Kontrast unnötig zu reduzieren und die Fotos etwas zu hell zu entwickeln. Also reduziert man den Wert bei „Belichtung“ etwas (hier von -0.1 auf -0.2), bei machen Fotos muss man viel mehr reduzieren (vor allem bei LowKey-Aufnahmen). Als nächstes wird der Kontrast wieder angehoben (von -14 auf +25).

Anpassung von Belichtung und Kontrast

Anpassung von Belichtung und Kontrast

Als nächstes werden die Lichter und die Tiefen, sowie der Weiß- und Schwarzwert angepasst. Die Licher werden weiter abgesenkt, die Tiefen ein ganzes Stück mehr aufgehellt – deswegen war auch die Erhöhung des Kontrastes nötig, da dieser Schritt den Kontrast wieder etwas reduziert. Weiß- und Schwarzwert habe ich kaum verändert. Hin und wieder muss man in Lightroom den Schwarzwert sehr stark reduzieren, z.B. bei LowKey- und Nachtaufnahmen, bzw. den Weißwert erhöhen, z.B. bei HighKey-Aufnahmen.

Anpassung der Lichter und Tiefen

Anpassung der Lichter und Tiefen

Die Veränderungen lassen sich im Bild vor allem an den Ufern, aber auch ein wenig am Himmel erkennen. Der nächste Schritt ist nun die Anpassung der Klarheit, Dynamik und der Sättigung. Die Klarheit erhöhe ich fast bei jeden Foto, da ich den Look einfach mag. Die Kanten erscheinen härter und das Foto damit wieder etwas kontrastreicher. Auch die Dynamik muss bei so einem flauen Foto angehoben werden, einfach um die Farben lebendiger wirken zu lassen (im Englischen heißt dieser Punkt „Vibrance“, was ich persönlich für die bessere Bezeichnung halte). Dazu wird die Sättigung erhöht, um die Farben kräftiger erscheinen zu lassen.

Anpassung der Präsenzparameter

Anpassung der Präsenzparameter

Diese Änderungen sind deutlich im Foto zu sehen und machen es schon sehenswerter. Nach der Anpassung der Präsenzwerte, gehe ich weiter zum Punkt „Gradiationskurve“ und stelle hier den Wert „Punktkurve“ häufig auf „mittleren Kontrast“. Der Kontrast wird dadurch noch etwas knackiger.

Anpassung der Gradiantionskurve

Anpassung der Gradiantionskurve

Das war es auch schon mit den allgemeinen Anpassungen für das gesamte Bild, jetzt kommen noch einige selektive Veränderungen an die Reihe. Über dem linken Zufluss der Wertach sind bei vergrößerter Ansicht blaue Schilder und ein blau leuchtender Turm zu sehen. Diese stachen mir zu sehr ins Auge und lenkten den Blick immer wieder auf sich. Hier hilft es die Bereiche einfach etwas zu entsättigen, damit sie weniger dominant sind. Dafür nutze ich den Korrekturpinsel (oben rechts unterhalb des Histogramm zu finden) und stelle bei ihm den Wert „Sättigung“ auf -100. Es reicht hierbei, den Pinsel grob über die entsprechenden Bereiche zu führen. Durch das Anheben der Sättigung für das ganze Bild, wird kein Bereich, den man überpinselt, völlig entsättigt, bzw. monochrom. Etwas Sättigung bleibt erhalten. Daher muss man nicht allzu präzise arbeiten. Man hat hier die Möglichkeit, sich die überpinselten Bereiche farbig anzeigen zu lassen, oder das Veränderungen 1:1 zu sehen. Zwischen den Ansichten kann man einfach mit der Taste „o“ wechseln.

Anpassungen mittels Korrekturpinsel

Anpassungen mittels Korrekturpinsel

Als letzten wichtigen Schritt nehme ich mich des Himmels an, und zwar mit Hilfe des Verlaufsfilters (ebenfalls oben rechts unterhalb des Histogramms zu finden). Dabei legt man die Grenze zwischen zwei Gebieten des Fotos fest und legt ebenfalls die Ausprägung des Übergangs fest. Ich wollte einen relativ harten Übergang zwischen Himmel und Landschaft, daher ist dieser relativ schmal geraten. Den Himmel wollte ich nun etwas dramatischer gestalten, also musste die Belichtung abgesenkt werden. Dazu kam noch eine Erhöhung des Kontrastes, eine weitere Absenkung der Lichter, die Erhöhung der Klarheit, sowie die Erhöhung der Sättigung.

Anpassung des Himmels mittels des Verlaufsfilters

Anpassung des Himmels mittels des Verlaufsfilters

So, nun sieht der Himmel so aus, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Aber eine kleine Sache fiel mir dann auf; ich hatte einen Fleck auf dem Foto, rechts oberhalb der Bäume im Himmel. Wahrscheinlich stammt der von einem Staubkorn auf dem Sensor. Durch das starke Anheben der Klarheit und des Kontrastes wurde dieser Fleck nun sichtbar. Den zu entfernen ist aber in Lightroom kein Problem, dafür gibt es das Werkzeug „Bereichsreparatur“. Man stellt nun einfach das Werkzeug auf die gewünschte Größe und klickt den Bereich an. Lightroom sucht dann automatisch einen umliegenden Bereich, den es als Basis für die Reparatur nimmt. Achtung, nehmt nicht die Einstellung „Kop.Stempel“ (Kopierstempel), denn dann kommt es oft zu harten, sichtbaren Kanten im Bild, da hier einfach ein Referenzbereich kopiert wird. Die Einstellung „Repar.“ (Reparieren) ist die eindeutig bessere Wahl beim Entfernen von Sensorflecken. Die 100%-Ansicht hilft beim Arbeiten mit dem Werkzeug Bereichsreparatur ungemein, da man hier die Flecken besser sieht und die Größe des Werkzeugs optimal einstellen kann.

Entfernung eines Sensorflecks mit der Bereichsreparatur

Entfernung eines Sensorflecks mit der Bereichsreparatur

So, nun ist das Foto fertig bearbeitet und kann als Jpeg exportiert werden. Die ganze Bearbeitung dauert in der Regel um die 5 Minuten, wenn man etwas Übung in der Arbeit mit Lightroom hat.

Wie man sieht, braucht man für vieles nicht unbedingt Photoshop zu bemühen, denn Lightroom bietet viele Möglichkeiten zur Bildbearbeitung. In Sachen Raw-Entwicklung ist es Photoshop aufgrund seines Funktionsumfanges sogar überlegen!

Das soll es auch schon gewesen sein, mit diesem kleinen Tutorial zur Bearbeitung von Landschaftsfotos in Lightroom 4. Falls weitere Fragen auftauchen, scheut euch nicht, sie zu stellen 🙂

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4 Kommentare zu „Meine Arbeitsweise in Lightroom 4 – Making-of Wertach

  1. Klasse Beschreibung! Ich gehe übrigens in Aperture 4 genauso vor, die Bezeichnungen der Werkzeuge sind manchmal etwas anders, aber die Vorgehensweise ist identisch. Gute Informationen, Danke!

  2. Pingback: Bastei | neugi85
  3. Hey hallo Paul! 🙂
    Ich habe etwas wegen LR4 gesucht und bin dann bei dein Tutorial gelandet. Es hat zwar nicht meine Frage beantwortet (warum ändert sich der Kontrast und die Farbe bei meinen Bildern, wenn ich sie in der Bibliothek zum ersten Mal ansehe? Ist das irgendeine Voreinstellung, die ich falsch gemacht habe?!) aber dein Tutorial hat mir sehr gut gefallen. Danke schön! 😀

    Liebe Grüße
    Christin

    1. Hallo Christin,
      erstmal dankeschön.
      Nun zu deinem Problem. Die Gute Nachricht gleich vorweg, du machst nichts falsch. Aber deine Vermutung mit der Voreinstellung zielt schon in die richtige Richtung. In den meisten Kameras kann man die Art und Weise einstellen, wie die Jpegs verarbeitet werden sollen. Bei Nikon heißt das Picture Control, bei Canon glaub ich Picture Styles. Selbst wenn man in RAW fotografiert, beeinflussen diese die Anzeige auf dem Display, denn in jedem RAW werden ein kleines Jpeg für die Schnellansicht und Infos über Jpeg-Einstellungen eingebettet. Lightroom erstellt nach dem Importieren jedoch eigene Vorschauen, allerdings auf Grundlage der RAW-Daten. Denn LR kann mit den hinterlegten Infos bezüglich Sättigung, Kontrast, … nichts anfangen und stellt das Foto daher erstmal neutral dar. Hier mal ein Extrembeispiel, woran man das leicht überprüfen kann: Stellt man (wie ich das auch häufig mache) Picture Control auf Monochrom, so erscheint in Lightroom nach dem Import dennoch eine farbige Vorschau. Es ist also nur eine Eigenart von Lightroom, kein Fehler von dir.

      Ich hoffe, ich konnte deine Frage zufriedenstellend beantworten.
      Beste Grüße aus Dresden
      Paul

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