Langzeitbelichtungen am Tag

In diesem Beitrag soll es um Langzeitbelichtungen am Tag gehen und wie ich das Foto „Sanfte Ostsee“ gemacht habe.

Während es nachts recht einfach ist, lange Belichtungszeiten zu erzielen, ist es bei Tageslicht eher schwer. Selbst mit sehr kleinen Blenden, also ab f/16 oder noch kleiner, ist es kaum möglich, auf Belichtungszeiten länger als 1/10s zu kommen. Und selbst wenn man es mit z.B. f/32 schafft, muss man mit den Nachteilen solch weit geschlossener Blenden leben. Es wird zu Beugungsunschärfen kommen, die dazu führen, dass das Foto nicht so recht scharf wirkt, obwohl eigentlich so gut wie alle Bildbereiche im Fokus liegen sollten. Manchmal möchte man auch mit kreativer Unschärfe arbeiten, wodurch sich eine weit geschlossene Blende von selbst verbietet. Was kann man also tun?

Man muss dafür sorgen, dass weniger Licht zum Sensor vordringt. Genau das schafft ein Graufilter. Ein solcher Filter funktioniert ähnlich wie eine Sonnenbrille, er lässt weniger Licht hindurch ohne idealerweiser die Farben zu beeinflussen. Es gibt schon relativ preiswerte Exemplare zu kaufen, wie zum Beispiel die von Haida. Ich selbst nutze zwei dieser Filter, einmal mit 77mm und einmal mit 67mm Durchmesser, und bin sehr zufrieden mit ihnen.

Warum will man eigentlich lange Belichtungszeiten am Tag erreichen? Ganz einfach, weil der Effekt der ziehenden Wolken eine ungewohnte Dynamik erzeugt, geglättetes Wasser wirkt beruhigend und lenkt den Blick des Betrachters auf andere, interessantere Bildinhalte.

ohne ND-Filter - farbig

Das obere Foto zeigt die gleiche Szenerie wie das nachfolgende Foto. Während das obere eher uninteressant wirkt, erzeugt das untere eine gewisse Atmosphäre, die den Betrachter verleitet, den Blick schweifen zu lassen und immer wieder neues im Bild zu entdecken.

mit ND-Filter - farbig

Der einzige Unterschied zwischen beiden Fotos liegt in der Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert sind identisch. Das erste Foto wurde mit 1/50s belichtet, das zweite mit 30s.

Anschließend habe ich das Foto in Lightroom 4 in schwarzweiß konvertiert, da ich den monochromen Look einfach sehr mag. Nur der Vollständigkeit halber habe ich auch das kurz belichtete Foto in der selben Weise in schwarzweiß konvertiert.

ohne ND-Filter - monochrom

silky sea

Was man auf jeden Fall für derartige Fotos, außer einem Graufilter braucht, ist ein stabiles Stativ und eine Sucherabdeckung. Während sich das Stativ bei Belichtungszeiten von über 1s von selbst erklärt, ist der Nutzen einer Sucherabdeckung nicht allen sofort klar. Auch wenn der Spiegel der DSLR nach oben klappt, kann es sein dass Licht durch den Sucher zum Sensor gelangt. Das führt zu einem reduzierten Kontrast und im schlechtesten Fall zu falsch belichteten Bildbereichen und zum Verlust von Bildinformationen. Also deckt euren Sucher ab, um derlei Probleme zu vermeiden. Das gilt natürlich nur für die Nutzer von Spiegelreflexkameras, Nutzer von Systemkameras werden diese Probleme nicht haben.

Der oben gezeigte Unterschied zwischen 1/50s und 30s Belichtungszeit ist sehr gravierend und deshalb möchte ich auch noch die Unterschiede zwischen 2s, 4s und 30s zeigen. Auch dieses Mal müssen der Strand von Koserow auf Usedom und die Ostsee herhalten.

2s
2s Belichtungszeit

4s
4s Belichtungszeit

30s
30s Belichtungszeit

Der Unterschied zwischen 2s und 4s Belichtungszeit ist lediglich eine etwas ausgeprägtere Glättung der Wellen, der Himmel sieht so gut wie identisch aus und zeigt noch keinerlei Dynamik durch Bewegungsunschärfe. Bei 30s Belichtungszeit ist das Meer milchig und wirkt sehr glatt, zudem zeigt der Himmel mehr Dynamik. Das alles hängt natürlich sehr von der Stärke der Wellen und der Geschwindigkeit der Wolken ab, welche Belichtungszeit die richtige ist, muss vor Ort ermittelt werden. Erfahrung hilft zwar, aber manchmal muss man auch mal experimentieren und verschiedene Kombinationen aus Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert ausprobieren.

Wer sich für Langzeitbelichtungen interessiert, dem lege ich das Buch „Langzeitbelichtungen und Nachtfotografie“ von Ronny Ritschel ans Herz. Es vermittelt alle Grundlagen der Fotografie mit langen Belichtungszeiten mit Hilfe von sehr vielen Beispielen.

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7 Kommentare zu „Langzeitbelichtungen am Tag

  1. 30s Belichtungszeit am Tag sind schon echt „cremig“. Mich würde interessieren, welchen Lichtfaktor (8-fach, 16-fach, …) Deine eingesetzten ND-FIlter haben.

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