Tokina AT-X 116 Pro DXII / 11-16mm f/2.8 – extrem scharf, mit einem großen ABER

Es gibt bisher kaum Erfahrungsberichte über die zweite Version des Tokina 11-16mm f/2.8, daher möchte ich meine Erfahrungen teilen. Ich hatte vorher das Sigma 10-20 f/4-5.6 EX DC HSM und werde mich hin und wieder darauf beziehen, genauso wie auf mein Nikon AF-S 16-85mm f/3.5-5.6G.

Tokina 11-16mm f/2.8 DXII in seiner ganzen Pracht

Tokina 11-16mm f/2.8 DXII in seiner ganzen Pracht

Da liegt es nun vor mir, das Tokina 11-16mm f/2.8. Mit seinen Eigenschaften steht es allein auf weiter Flur. Es gibt sonst kein Ultraweitwinkelobjektiv für das DX-Format (bzw. APS-C) mit durchgängiger Blende f/2.8. Ja klar, es gibt noch das Über-Ultraweitwinkel, das Nikon AF-S 14-24mm f/2.8G, aber das ist erstens exorbitant teuer und zweitens weniger weitwinklig in Verbindung mit einem Crop-Sensor. Der Unterschied von 11mm zu 14mm ist gewaltig, mehr als die Zahlen vielleicht auszudrücken vermögen. Dann gibt es da noch das Sigma 10-20mm f/3.5 EX DC HSM, aber das hat eine um 2/3 geringere maximale Blende. Das Tokina sticht also hervor aus dem Angebot der erhältlichen UWW-Objektive für das DX-Format.

Warum eigentlich Blende f/2.8 bei einem Ultraweitwinkel? Wegen dem Freistellungspotezial sicher nicht! Es geht um Lichtstärke und darum, bei Milchstraßenfotos den ISO-Wert nicht in ganz so schwindelerregende Höhen schrauben zu müssen, ebenso, wie im schummrigen Licht eines dichten Waldes.

Nachts bei f/2.8 spielt das Tokina seine Stärken voll aus (11mm, 30s und ISO4000).

Nachts bei f/2.8 spielt das Tokina seine Stärken voll aus (11mm, 30s und ISO4000).

Wenn man das Objektiv auspackt stellt man fest, dass es ein ganz ordentlicher Brocken ist, 550g sind knapp 100g mehr, als mein altes Sigma 10-20 f/4-5.6 wog. Der Kunststoff fühlt sich wertig an und nichts klappert oder wackelt. Auch das Verschieben des Fokusrings zum Umschalten zwischen AF und MF funktioniert einwandfrei. Zudem läuft der Fokusring weich, mit einem guten Widerstand. genauso wie der Ring zur Verstellung der Brennweite. Zum Objektiv werden noch eine Streulichtblende, sowie beiden Abdeckkappen geliefert. Die Streulichtblende schnappt satt ein und man muss keine Angst haben, sie mal zu verlieren. Was mir gut gefällt ist, dass das Tokina eine Gummilippe am Bajonett hat, um Schmutz und Feuchtigkeit abzuhalten. Meine Nikon AF-S-Objektive haben das auch alle, meine Tamron-Objektive nicht. Das Sigma hatte es auch nicht. Ob diese Gummilippe wirklich was bringt oder nur etwas fürs Gewissen ist, lass ich mal offen.

Die Gummilippe ist am Rand des Metallbajonetts zu sehen.

Die Gummilippe ist am Rand des Metallbajonetts zu sehen.

Tokina hat in der zweiten Version des 11-16mm f/2.8 einen Ultraschallmotor für den Autofokus verbaut, welcher leiser und schneller als der Stangenantrieb der ersten Version sein soll. Da ich die erste Version nicht habe, kann ich keinen Vergleich damit anstellen. Stattdessen müssen das Sigma und mein Nikon AF-S 16-85mm f/3.5-5.6G als Vergleich herhalten. Und da muss ich ganz klar sagen, der Autofokus des Tokina ist weder besonders schnell, noch leise. Mein Sigma war schon relativ laut für einen Ultraschallmotor, aber das Tokina ist noch lauter. Es klingt eher nach einem konventionellem Motor, kein Vergleich zu dem flüsterleisen Exemplar im Nikon. Das Sigma war auch in der Geschwindigkeit besser, nicht viel aber merklich. Auch hier ist das Nikon viel schneller. Mangelnde Geschwindigkeit kann man bei einem UWW vielleicht verschmerzen, fehlende Genauigkeit nicht. Und da versagt das Tokina bei schlechten Lichtverhältnissen jedoch vollkommen. Während es mit dem Sigma und auch dem Nikon nachts kein Problem ist, auf eine Lichtquelle zu fokussieren, klappt das mit dem Tokina nur mit Glück und Geduld. Das ist wirklich schade, vor allem weil ich auch mal gern Sterne fotografiere. Aber auch am Tag hat das Tokina so seine Probleme mit dem Finden des richtigen Schärfepunktes. Ich stelle mit ihm mittlerweile oft nur noch per Hand scharf, weil es erstens mindestens  genauso schnell geht und zweitens mit dem Schärfeindikator der D7000 auch präziser ist. Da muss Tokina dringend nachbessern!

Der Wechsel vom Autofokus zum manuellen Fokus erfolgt durch Verschieben des Fokusrings.

Der Wechsel vom Autofokus zum manuellen Fokus erfolgt durch Verschieben des Fokusrings.

Nun zu den optischen Leistungen. Soviel vorweg, es ist verdammt scharf. Umso schlimmer wiegt auch, dass der Fokus nicht immer sitzt, nur um das nochmal zu verdeutlichen. Aber nun zurück zur Bildqualität. Ich habe das Tokina AT-X 116 Pro DXII auf einer Tour durch das Elbsandsteingebirge mit gehabt und war von seiner Abbildungsleistung sehr beeindruckt. Gestochen scharf bis in die Ecken, von perspektivischen Abbildungsfehlern mal abgesehen, die man dem Objektiv aber nicht anlasten darf. Was aber auffiel ist, dass das Tokina die Farben relativ kühl (leicht ins bläuliche gehend) wiedergibt, anders als ich das von den Nikkoren gewohnt bin, die etwas wärmer (rot-orange-gelb sind etwas stärker ausgeprägt) abbilden. Da ich sowieso in RAW fotografiere ist das nicht weiter störend, auffällig ist es trotzdem. Da war das Sigma 10-20 f/4-5.6 EX DC HSM neutraler. Allerdings war das Sigma auch bedeutend schwächer in der Schärfe, was mir später bei Vergleichsfotos besonders aufgefallen ist. Was ganz klar zu erkennen ist, wenn man länger mit dem Tokina fotografiert, ist es bei Offenblende und 11mm am schärfsten ist. Bis f/4 nimmt die Schärfe kaum ab, aber auch bei f5.6 bis f/11 ist das Tokina noch sehr scharf. Schärfer als das Sigma je wird. Auch mit zunehmender Brennweite nimmt die Schärfe weiter ab. Bei 16mm ist es schon relativ matschig, aber verglichen mit dem Sigma immer noch überlegen. Dem Nikon AF-S 16-85mm f/3.5-5.6G ist es jedoch bei 16mm unterlegen. Ich fotografiere sowieso meist bei 11mm mit dem Tokina, also ist das weniger störend aber doch erwähnenswert für die, die das 16-85mm von Nikon nicht ihr Eigen nennen.

Bis in die Ränder scharf, bei f/11 und 11mm Brennweite

Bis in die Ränder scharf, bei f/4 und 11mm Brennweite

Nun zur Vignettierung. Ja, die treten bei Offenblende auf, aber in meinen Augen nicht wirklich unangenehm. Spätestens bei f/5.6 sind sie verschwunden. Hier ist es so, dass bei 11mm die Vignette stärker ausgeprägt ist, als bei 16mm Brennweite. Bei Thema Vignette nehmen sich das Tokina und das Sigma nicht viel. Wer nicht auf eine Vignette steht, oder Panoramas aus mehreren Fotos zusammenfügen will, der kann diese in Lightroom leicht entfernen. Weiter mit den Verzeichnungen. Auch die treten auf, tonnenförmig und auch hier verstärkt am weitwinkligen Ende. Ich muss sagen, dass da das Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX DC HSM besser war und weniger stark verzeichnete. Bei 16mm Brennweite ist kaum noch eine Verzeichnung festzustellen.

Chromatische Aberrationen treten bei dem Tokina AT-X 116 Pro DXII durchaus auf. Vor allem in den Ästen von Bäumen kann man leichte lila Farbsäume ausmachen. Die lassen sich jedoch leicht in LR korrigieren, trotzdem geht das besser, wie das Sigma 10-20 f/4-5.6 EX DC HSM zeigt. Dort waren CAs gar kein Problem.

Zu guter letzt noch einige Worte zum Thema Flares (Blendenflecken) und Geisterbilder. Das Sigma hatte schon einige hässliche Flares bei Gegenlichtquellen produziert, aber das Tokina ist leider bei diesem Thema nochmals deutlich schlechter. Und dabei sollte eine neue Linsenbeschichtung der zweiten Version des 11-16mm f/2.8 gerade Flares (und CAs) verhindern. Bei meinen Tests, die teilweise zugegebenermaßen etwas extrem waren, wurde mehr als deutlich, dass Tokina Flares und Geisterbilder immer noch nicht im Griff hat.

Lichtreflexe wo keine sein sollten, typisch für das Tokina AT-X 116 Pro DXII.

Lichtreflexe wo keine sein sollten, typisch für das Tokina AT-X 116 Pro DXII.

Das Innere des Objektivs ist klar zu erkennen.

Das Innere des Objektivs ist klar zu erkennen.

Im unteren Beispielbild mit zwei Lichtquellen von vorn kann man sogar das Innere des Objektivs sehen. Das bedeutet die Linsen spiegeln das Licht, das vom Sensor zurückgeworfen wird wieder zurück zum Sensor. Das ist mir bis jetzt noch bei keinem anderen Objektiv passiert. Klar, das Beispiel ist eine wirklich extreme Situation, aber trotzdem ein Zeugnis von unzureichender Linsenvergütung. Was die Vergütung und Beschichtung der Linsen betrifft, sollte Tokina dringend nachbessern. Denn somit wird die ansonsten hervorragende Abbildungsleistung in manchen Situationen regelrecht zunichte gemacht. Was nützt mir ein Objektiv, dass zwar sehr scharf abbildet, aber die Fotos durch Flares und Geisterbilder unbrauchbar werden? Nicht viel, soviel ist klar. Wird die frontale Sonne durch Wolken diffus gestreut, sind kaum mehr Flares zu erkennen, das Problem sind also Spitzlichter.

Diffuses Licht von vorn ist kaum ein Problem.

Diffuses Licht von vorn ist kaum ein Problem.

Fazit

Das Tokina AT-X 116 Pro DXII könnte ein optisch hervorragendes Objektiv sein, wäre da nicht diese elende Flareanfälligkeit. Mit der Lichtquelle im Rücken ist es überragend, vor allem die Schärfe ist wahnsinnig gut. Der Autofokus ist nicht gerade schnell, nicht unbedingt der treffsicherste und leise ist er auch nicht. Dafür ist das Tokina für die Ewigkeit gebaut, ein regelrechter Panzer. Ich mag es sehr und benutze es auch relativ oft, trotz der angesprochenen Schwächen. Empfehlen kann ich es trotzdem nicht unbedingt, dafür ist es einfach zu teuer. Die UVP liegt bei 859€ und die ist es nicht wert, so klar muss ich das sagen.Zur Zeit schwankt der Preis bei Amazon und eBay zwischen 540€ und 720€. Leider gibt es das Angebot, das ich vor einiger Zeit genutzt habe nicht mehr. Ich habe es glücklicherweise neu für reichlich 400€ bekommen. Deswegen habe ich es mir damals auch zugelegt, zumal der Verkauf des Sigma einen Großteil der Investition wieder eingespielt hat.

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6 Kommentare zu „Tokina AT-X 116 Pro DXII / 11-16mm f/2.8 – extrem scharf, mit einem großen ABER

  1. Ist schon ein weilchen her, aber ich gebe trotzdem noch meinen Senf dazu. Ich habe die D7200, suche seit längeren ein Weitwinkel. Die Sigma Art Serie spricht da zur Zeit an. Ja die sind nicht billig, und dann der Cropfaktor. Warum sollte ich z.b. das 20mm/f1.4 für so ca. 850 Oken kaufen. Mit Crop bin ich da auch bei 30mm. Da kann ich mir auch das um Ecken billigere Nikkor 35mm/f1.8 kaufen, ist dann auch erheblich billiger. Ich habe mir jedenfalls das Tokina bestellt und were sehen was das bringt. Im Auge hate ich auch das alte 16mm Nikkor. Aber das ist auch nicht billig. Na wir werden sehen.

    1. Also die Logik hinter dem Vergleich 20mm Sigma und 35mm Nikkor erschließt sich mir nicht, da es völlig verschiedene Brennweiten sind, Crop hin oder her. Nikon gibt seine Brennweiten real an, und nicht als Äquivalentwert. Das 35mm DX Nikkor hat eine Brennweite von 35mm und einen Bildwinkel, der ungefähr einem 50mm an Vollformat entspricht. Von daher hinkt der Vergleich beider Objektive gewaltig. Davon abgesehen ist das 35mm DX Nikkor optisch nicht wirklich herausragend.
      Tokina bietet im übrigen mittlerweile ein völlig neues UWW an, das AT-X 11-20mm f/2.8 Pro DX.

      VG, Paul

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