Darf man Landschaftsbilder retuschieren? – Meine persönliche Meinung

Ich habe mir am Wochenende das Tutorial „DIGITAL LANDSCAPE“ von Calvin Hollywood auf Youtube angesehen. In dem Training geht es um die Bearbeitung eines Landschaftsfotos mittels Photoshop. Wer Calvin Hollywood kennt, der wird wissen, dass das Endergebnis relativ stark vom Ausgangsmaterial abweicht.

Und hier stellt er selbst die Frage in den Raum, ob man denn Land-schaftsfotos retuschieren darf. Und wenn ja, wie weit man es denn treiben darf. Gute Frage. Habe ich mir selbst auch schon gestellt. Vor allem auf 500px sieht man doch so einige Landschaftsaufnahmen, die einer sehr umfassenden Bearbeitung unterzogen wurden. Ich selbst bin ja auch kein Freund des Out-of-Cam-Looks.

Dresdner Altstadt vorher

Dresdner Altstadt vorher

Das obige Foto habe ich in einer Minute nur in Camera Raw aus dem originalen Raw entwickelt. Ist nicht schlecht. Aber da is so ein häss-licher Flare an der Frauenkirche. Außerdem ist vor dem zweiten Salonschiff ein kleines Motorboot, das mich etwas stört. Also ab in Photoshop damit und anfangen mit Retuschieren.

Dresdner Altstadt nachher Version 1

Dresdner Altstadt nachher Version 1

Neben der Retusche von störenden Elementen habe ich noch ein paar andere Anpassungen vorgenommen (Farbstimmung verstärkt, Wolken betont, Wasser und Gras mit dem Ölfilter aufgehübscht).

Nun stellt sich die Frage, ob das noch authentisch genug ist, um als reines Landschaftsfoto durchzugehen. Meine Meinung ist: ja das ist es. Die Kernaussage und die entscheidenden Bildelemente werden nicht maßgeblich verändert. Als dokumentarisch geht es natürlich nicht mehr durch, aber als Landschaftsfoto durchaus.

Dresdner Altstadt nachher Version 2

Dresdner Altstadt nachher Version 2

Jetzt habe ich (etwas stümperhaft) einfach 3 Wolken oben links eingemalt. Ist das auch noch okay? Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht so recht. Einerseits erzeugen sie eine weitere (gedankliche) Linie zur Sonne hin und erzeugen somit eine Art Dreieck im Bild, das so vorher nicht da ist. Andererseits verändern sie das Bild nicht in der Form, dass ich die Landschaft verändere. Würde ich dezente Strato-cirrus-Wolken, die ja sowieso schon im Bild vorhanden sind, von einem anderen Foto dezent hineinkopieren wäre ich durchaus geneigt es noch als reines Landschaftsfoto durchgehen zu lassen.

Ein weiteres Beispiel, diesmal aus dem Elbsandsteingebirge.

Jägersteig vorher

Jägersteig vorher

Das Foto oben ist nur in Lightroom bearbeitet. Da fehlt nichts und wurde nichts hinzugefügt.

Jägersteig nachher

Jägersteig nachher

Mit etwas Photoshop-Spielerei sieht es nun so aus. Den Himmel hab ich stark dramatisiert und natürlich ist der Blitz auch neu. Geht das noch als Landschaftsfoto durch? Nein. Der Blitz stellt schon eine maßgebliche Änderung dar. Aus den abziehenden Wolken mit der Aussage, dass die Gefahr vorbei ist, wird etwas völlig anderes. Jetzt scheint das Gewitter noch im vollen Gange zu sein, also die Gefahr nicht gebannt. Ein solches Bild ist dann eher ein Composing, wenn auch ein sehr einfaches. Gleiches gilt, wenn ein markantes Objekt hinzugefügt oder entfernt wird, egal ob Baum, Gebäude, Denkmal, …

Der Grünewalder Lauch muss nun als letztes Beispiel herhalten.

Grünewalder Lauch vorher

Grünewalder Lauch vorher

So sieht das nur mit Camera Raw entwickelte Foto im Original aus. Die Lightroom-Version war noch ausgereifter, aber dort hatte ich auch schon selektiv eingegriffen, was Helligkeit, Kontrast, Sättigung, und und und betrifft.

Grünewalder Lauch nachher

Grünewalder Lauch nachher

Bei dem Foto habe ich nun wieder einiges in Photoshop verändert: Ölfilter, farbige Verläufe, Details verstärkt, Wolken hervorgehoben, selektive Farbkorrektur, Beschnitt geändert, lokale Helligkeits- und Kontrastanpassungen, …
Geht das noch als Landschaftsfoto durch? In meinen Augen nicht wirklich, da ich hier unter anderem den Bäumen einen herbstlichen Look verpasst habe. Das Foto entstand jedoch im Juni. Außerdem sind auch an anderen Stellen die Farben sehr verfälscht. Folglich bleibt vom Original zu wenig übrig, als dass es noch als reines Land-schaftsfoto durchgehen könnte.

Also kurz zusammengefasst, wenn ein Landschaftsfoto in seiner Aussage und in seinen maßgeblichen Elementen und Farben ver-ändert wird, dann ist es in meinen Augen kein reines Landschafts-foto mehr. Werden unwichtige, störende Elemente entfernt, die ohnehin vorhanden (farbliche) Stimmung verstärkt oder sonstige dann sehe ich es immer noch als Landschaftsfoto an. Eine reine S/W-Konvertierung zähle ich nicht unter farblicher Veränderung, Color-Key aber schon.

Ich weiß, dass sicherlich nicht jeder meine Meinung teilen wird. Wie ist eure Meinung zum Thema Retusche bei Landschaftsfotos?

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4 Kommentare zu „Darf man Landschaftsbilder retuschieren? – Meine persönliche Meinung

  1. Kurtz um – ich bin absolut kein Fan von Calvin Hollywood, weder von seiner Art Bilder zu „manipulieren“ noch von seiner Art und weise etwas zu präsentieren. Deshalb brauche ich auch nicht weiter zu erklären was ich von den bearbeiteten Landschaftsbildern von Ihm halte.

    Was die Retusche bei Landschaftsfotos angeht, finde ich macht es diese zur Lüge im Bild.

    Gruss & immer gutes Licht Oliver K. – fotOKo

  2. Ich finde die Ehrlichkeit entscheidend.
    Wenn ich „Fotos“ auf einem „Fotoblog“ zeige, diese als „Fotografien“ bezeichne, dann sollte sich die Bildbearbeitung auf ein absolutes Minimum beschränken, das keine Inhalte verändert.
    Ich finde hier zB. die letzte Version von Dresden in Ordnung und im Rahmen. Manipulierende Retusche hat an dieser Stelle, meiner Meinung nach, eigentlich nichts verloren.
    Allerdings – So mancher (Ersteller oder auch Betrachter) mag die stark überzogenen Bilder/Darstellungen. Erlaubt ist, was gefällt?
    Ich meine: Nur, wenn es klar ist, was gemacht wurde.
    Zurück zur Ehrlichkeit: Wenn ich schon so stark manipuliere, Elemente hinzufüge oder entferne, dann sollte ich gegenüber meinen Lesern schon so ehrlich sein, das ganze auch „Komposition“ oder „Collage“ zu nennen. Sonst täusche ich bewusst über die Eigenschaften des Werks.

  3. Ich finde Ja, Landschaftsfotos kann/darf man bearbeiten es kommt nur auf die Menge an. Denke doch gerade in dieser Sparte wird man nicht ganz rum kommen etwas zu bearbeiten da meist sehr viel verschiedene Element auf einem Bild sind wo ua bei der Belichtung schon allein manche in Mitleidenschaft gezogen werden. Es spricht also nichts dagegen den Himmel ein bisschen Blauer zu machen, die Wolken ein bisschen mehr vorzuheben, den Wald ein bisschen Herbstlicher zu machen…etc..
    Diese über drüber Bilder mit total starke Farben sind zwar schön zum anschauen aber jeder weiß das es nicht die Realität ist – dennoch sollte auch das „erlaubt“ sein immerhin gibt es in der Portrait Fotografie auch Bilder die sehr realitätsfern sind 😉
    Schade finde ich aber trotzdem das man bei Landschaftsfotos meisten die letzteren Fotos sieht. Manchmal hat auch Natürlichkeit-mit einer kleinen Nachbearbeitung – ihren Reitz.
    glg Katrin

  4. Ja, man sollte sogar! …so meine Meinung.

    Da heutige Kameras noch nicht so wirklich mit den Dynamikumfängen zurecht kommen, sollte man nach Möglichkeit zumindest diese Defizite ausgleichen. Alles darüber hinaus ist eine Geschmacksfrage.
    Ich persönlich liebe es, noch das gewisse Etwas in einer Aufnahme hervorzuheben (z.B. mit lokalen Anpassungen von Licht und Schatten). Oft verpasse ich auch Landschaftsfotos noch einen speziellen Look.

    Wie man es am Ende nennt, spielt eher eine untergeordnete Rolle! …Hauptsache, es gefällt! 🙂

    Gruß,
    Sven

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