Testbericht: Walimex Pro 12mm f/2.8 Fish-Eye (Samyang/Rokinon 12mm f/2.8 Fish-Eye)

Ich bin ja schon länger auf der Suche nach einem Fish-Eye-Objektiv. Vor allem für die Milchstraßen-Fotografie, aber auch als Effekt-Linse bei Hochzeitsfotos macht es für mich Sinn. Doch irgendwie fand ich keins so wirklich ansprechend. Denn die Nikon-Fish-Eyes bieten Brennweiten (10,5mm für DX und 16mm für FX), die ich sowieso schon hatte bzw. habe. Und dafür dann um die 700€ ausgeben lohnt sich in meinen Augen nicht.
Samyang bzw. Walimex bieten zwar ein 8mm Fish-Eye* an, aber das ist nur für Crop-Sensoren geeignet. Ich hatte es kurz da, hab es aber wieder zurückgeschickt, da es mir nicht so zugesagt hat – es ist mit f/3.5 doch recht Lichtschwach. Außerdem habe ich ja schon länger mit Vollformat geliebäugelt.
Das extreme 8mm Zirkular-Fish-Eye von Sigma* kam für mich nicht in Frage, da mir der Effekt dort zu extrem ist, es erzeugt ja nur ein rundes Bild. Mal davon abgesehen ist es auch verdammt teuer für so eine Spezial-Linse.

Vor kurzer Zeit hat Samyang dann ein 12mm f/2.8 Fish-Eye für Vollformat vorgestellt. In Deutschland wird es als Walimex Pro 12mm f/2,8 Fish-Eyevertrieben. In anderen Ländern (u.a. USA) wird es unter dem Label Rokinon vertrieben. Es kostet in der Nikon-Version zurzeit um die 500€, aber um es vorwegzunehmen, es ist jeden Euro davon wert.

Lieferumfang und Verarbeitungsqualität

Lieferumfang

Geliefert wird das Objektiv sauber verpackt und gut geschützt. Neben dem Objektiv liegen eine Bedienungsanleitung in deutscher und englischer Sprache und ein Objektivbeutel im Karton.
Die Verarbeitungsqualität des Objektivs geht vollkommen in Ordnung. Es ist sauber verarbeitet, es klappert und schleift nichts. Klar, das Objektiv  besteht größtenteils aus Kunststoff, aber der ist stabil und mutet nicht unbedingt billig an. Beide Objektivdeckel sitzen fest und sind auch recht stabil ausgeführt. Die Gegenlichtblende ist abnehmbar und rastet satt am Objektiv ein. Da besteht keine Gefahr, dass man sie mal verliert.

Blendenring und Fokusring

Der Blendenring läuft etwas straff, was mich aber nicht stört, da ich ihn sowieso nicht nutzen muss. Sein geriffelter Kunststoff ist auch recht glatt. Dazu kommt noch, dass zwischen Blenden- und Fokusring nur ein recht schmaler Bereich des Objektiv fest steht. Wer also dicke Finger wie ich hat, verstellt aus Versehen beim Ändern der Blende die Fokussierung gleich mit. Positiv hingegen ist, dass sich die Blende manuell in halben Blendenstufen einstellen lässt.
Der angenehm breite Fokusring läuft sehr sanft, ist jedoch in meinen Augen ein kleines bisschen zu leichtgängig. Dafür ist der Fokussierweg schön lang, so dass man sehr präzise scharf stellen kann. Sehr gut gefällt mir die griffige Gummierung des Fokusrings.
Das Frontelement ist mächtig gewölbt und steht vor allem im Nahbereich sehr weit hervor. Hier muss man aufpassen, dass man hier nicht unbeabsichtigt Fingerabdrücke hinterlässt.

Frontelement

Besonderheit der Nikon-Version

Die Besonderheit der Nikon-Version ist der integrierte Chip, den die anderen Bajonettversionen nicht besitzen. Dadurch kann die Blende in der Kamera eingestellt werden. Das hat einerseits den Vorteil, dass auch drittel Blendenstufen möglich sind und anderseits, dass bei der Nutzung kleiner Blenden das Sucherbild nicht dunkler wird.

Bedienung

Es ist ein theoretisch rein manuelles Objektiv, aber wie gesagt haben die Nikon-Nutzer einen kleinen Vorteil durch die von der Kamera angesteuerte Blende.
Es lässt sich mit dem Fokus-Confirm der Kamera sehr gut auf das gewünschte Objekt scharf stellen. Noch besser geht es allerdings im Live-View mit Fokus-Peeking.
Beworben wird das Walimex 12mm Fish-Eye mit Innenfokussierung. Das stimmt jedoch nicht ganz, denn das Frontelement steht bei der Naheinstellgrenze ca. 2mm weiter hervor, als bei der Unendlich-Einstellung.
Die sehr geringe Naheinstellgrenze von nur ca. 20cm finde ich klasse, da ich so in der Lage bin auch mit dem Fish-Eye Blütenfotos bzw. Detailfotos zu erstellen.

Bildqualität und Fish-Eye-Effekt

Nun zum wichtigsten Punkt, der Bildqualität. Wie sieht es denn aus mit Schärfe, Auflösung und Kontrast?
Schon bei Offenblende ist das Walimex Fish-Eye im Zentrum sehr scharf, zum Rand hin sinkt die Schärfe erwarungsgemäß ab, liegt jedoch immernoch auf einem hohen Niveau. Auflösungsprobleme konnte ich bisher noch keine feststellen. Auch im Randbereich werden feine Strukturen differenziert widergegeben. In den extremen Ecken natürlich nicht, denn dort ist die (gewollte) Verzerrung so groß, dass Details komprimiert werden. Blendet man ab, steigt der Schärfeeindruck immer weiter, bis f/8, vor allem an Rand. Ab Blende f/16 nimmt die Schärfe wieder ab, was jedoch an der physikalisch bedingten Beugungsunschärfe liegt.
SeeroseDer Kontrast ist egal bei welcher Blende sehr gut. Selbst bei Gegenlicht werden die Bilder nicht flau. Wo ich schon beim Thema Gegenlicht bin.  Flares oder Blendenflecken treten kaum auf, was mich doch sehr erstaunt hat. Die Linsen sind teilweise mehrschichtvergütet und das merkt man. Selbst bei extremem Gegenlicht verhält sich das Walimex 12mm f/2.8 sehr gutmütig. Bei Offenblende treten bei kontrastreichen Übergängen chromatische Aberrationen auf, die jedoch beim Abblenden reduziert werden können. Zudem sind sie in Lightroom leicht korrigierbar.

Blick nach oben

DSC_7175

Der Fish-Eye-Effekt ist ausgeprägt, jedoch nicht zu extrem, weshalb es auch (in Grenzen) möglich ist damit Landschaftsfotos zu machen. Durch den diagonalen Bildwinkel von 180° bekommt man sehr viel aufs Foto, die 12mm Brennweite wirken jedoch einem zu starken Fish-Eye-Effekt entgegen.

Fish-Eye-Effekt

Der große Bildwinkel hat jedoch zur Folge, dass hin und wieder auch mal die eigenen Füße im Foto auftauchen.

Füße im Bild

Fazit

Das Walimex Pro 12mm f/2,8 Fish-Eye* ist von der Bildqualität über jeden Zweifel erhaben, auch die Verarbeitung liegt auf einem sehr guten Niveau. Ich spreche für das Objektiv eine klare Kaufempfehlung aus.


* Affiliate-Link. Wenn ihr über diesen Link einkauft, unterstützt ihr mich, da ich eine kleine Provision bekomme. Euch entstehen keinerlei Nachteile, weder preislich noch in irgend einer anderen Form.

Advertisements

2 Kommentare zu „Testbericht: Walimex Pro 12mm f/2.8 Fish-Eye (Samyang/Rokinon 12mm f/2.8 Fish-Eye)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s