Haida ND-Filter – günstig und gut!

time flies by
(D750, 16mm, f/11, 66s, ISO50)

Ich beschäftige mich immer wieder mit Langzeitbelichtungen. Vor einiger Zeit hatte ich schon mal über die Notwendigkeit von Graufiltern bei Langzeitbelichtungen am Tag geschrieben. Nun stellt sich auch immer die Frage, welchen Filter man nehmen sollte und vor allem von welchem Hersteller. Es geht im Folgenden immer um runde Schraubfilter. Erfahrung mit Einschubfiltern àla Lee und Cokin habe ich nicht.
Ich habe schon so einigen Filter-Herstellern eine Chance gegeben. Alle werde ich hier nicht nennen, nur die, die ich empfehlen kann. Platzhirsch ist beim Thema Filter B+W und deren Filter sind über jeden Zweifel erhaben. Die Verarbeitung ist super, die Bildqualität spitze, aber dafür wird auch ein gesalzener Preis verlangt. Vor allem wenn man Filter mit 77mm Filtergewinde braucht. Selbst für 67mm sind die Filter von B+W sündhaft teuer. Ich habe von B+W nur die Polfilter, weil es einfach mit die besten sind.
Dann gibt es noch Hoya, die auch gute Filter herstellen. Preislich liegen diese unterhalb der B+W-Filter. Leider bekommt man von Hoya nicht alle Filterstärken, ND3-Filter habe ich von ihnen nicht bekommen, nur ND1.8. Außerdem sind kaum Slim-Filter erhältlich. Vor allem im UWW-Bereich kommt es bei dicken Filtern gern mal zu hässlichen Abschattungen bzw. Vignetten.

Haida ND3.6

Am (fast) untersten Ende der Preisskala gibt es dann noch Haida. Die bieten bezahlbare ND3-Filter in Slim-Ausführung an, die auch noch vergütet sind. Mittlerweile besitze ich vier Graufilter von Haida und bin sehr zufrieden mit ihnen. Sie vermindern die Auflösung nicht und zeigen nur eine sehr geringe Farbverschiebung, die sich im Nachhinein auch noch leicht korrigieren lässt.

Farbverschiebung Haida ND3.6

Farbverschiebung Haida ND3.6

Farbverschiebung Haida ND3

Farbverschiebung Haida ND3

Vergleichsfoto ohne Filter

Vergleichsfoto ohne Filter

Wie zu sehen ist, hält sich die Farbverschiebung in Grenzen. Der ND3 bildet etwas rotstichig ab, der ND3.6 zeigt eine minimale Verschiebung ins bläuliche. Von der Auflösung und Bildschärfe her sind keine Unterschiede auszumachen. Also von der Bildqualität kann man nicht meckern. Es macht sich übrigens bemerkbar, ob ein Filter Mehrschichtvergütet ist oder nicht. Sobald die Sonne im Bild ist, kommt es ohne Vergütung vermehrt zu Flares. Deswegen nehmt lieber gleich die vergüteten Varianten. Die kosten bei Haida nicht viel mehr.
Die Verarbeitungsqualität ist ohne Tadel und steht den etablierten Herstellern in nichts nach. Der Metallrahmen ist sauber gefräst und vollkommen rund. Auch die Gewinden sind glatt und geben keinen Grund zur Beanstandung.

Haida ND1.8

Haida ND1.8

Haida ND3 Slim

Haida ND3 Slim

Haida ND3.6 Slim MC

Haida ND3.6 Slim MC

An diesen Foto ist auch gut der Unterschied zwischen normalen Filtern und den Slim-Ausführungen zu sehen. Wer nun Angst hat, dass Slim-Filter die Benutzung mehrerer Filter gleichzeitig verhindern, dem kann ich versichern, es geht. Auch Slim-Filter haben je ein Außen und ein Innen-Gewinde. Aber Obacht, man sollte sie nicht zu fest zusammenschrauben. Durch den dünnen Rahmen ist das anschließende Trennen der Filter bei zu festem Sitz nur schwer möglich.

Zwei Slim-Filter verschraubt

Zwei Slim-Filter verschraubt

Allerdings kommt es bei der Nutzung mehrerer Filter im UWW-Bereich zu Abschattungen in den äußersten Ecken.

Wie ihr schon lesen konntet, bietet Haida auch einen ND3.6-Filter an. Vor allem bei Langzeitbelichtungen am Tag wünscht man sich manchmal einen Graufilter, der noch mehr Licht schluckt. 10 Blenden sind gut, aber manchmal einfach nicht genug. Und die Benutzung mehrerer Filter hat das oben angesprochene Problem der Abschattung. Der ND3.6 verdunkelt um 12 Blenden und kommt dem Wunsch nach weniger Licht entgegen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Er ist in meinen Augen der beste unter den Haida-Filtern, da er die geringste Farbverschiebung aufweist und eine sehr gute Vergütung besitzt. Was klar sein sollte ist, dass der Autofokus bei solch einem Filter nutzlos wird.

Mein Fazit ist, dass die neuen Haida-Filter eine klare Kaufempfehlungen verdienen. Sie sind nicht nur günstig, sie sind auch noch sehr gut!

Test: Novoflex Castel L – Gastbeitrag von Daniel

Da ich mich in letzter Zeit wieder verstärkt Macros beschäftigt habe und auch einen größeren Abbildungsmaßstab als 1:1 haben wollte, bin ich schnell auf ein Problem gestoßen: Das Ausrichten der Kamera samt Stativ.

Es ist doch recht mühsam das Stativ Millimeter genau ausrichten zu wollen. Wer das bereits versucht hat wird mir da wohl Zustimmen. 😉 Da meine Eltern noch fragten, was ich denn noch gebrauchen könnte zum Geburtstag, war die Entscheidung nach einem Einstellschlitten für die Macrofotografie doch recht leicht.

Novoflex Catel L

Warum Novoflex? Die Entscheidung ein Produkt der Marke Novoflex zu nehmen war einfach, da ich keine wackelige Konstruktion wollte und diverse Bewertungen für stabile und hochwertige Produkte sprachen. Nun musste ich mich nur noch zwischen dem Model „Castel – Mini“ und „Castel – Q/L“ entscheiden. Da das Gewicht, sowie Packmaß zweitrangig für mich war wurde es der „Castel – L“. Dieser hat im Gegensatz zu dem Q einen integrierten Kameraadapter.

Der Schlitten besitzt auf der Unterseite mittig und an beiden Enden jeweils eine ¼ Zoll und 3/8 Zoll Bohrungen für Anschlüsse. Außerdem besteht die Möglichkeit das Produkt an Systemen mit den Schnellkupplungen Q=BASE oder Q=MOUNT zu befestigen. Mit einem Arbeitsbereich von 140 mm ist dieser Schlitten für meine Verwendungszwecke mehr als ausreichend.

Qualitativ kann sich das Produkt auf jeden Fall sehen lassen. Es befinden sich 3 Rädchen am Schlitten selbst: eins um den Adapter fest zu klemmen, eins um den Schlitten zu arretieren und eins für den Vortrieb. Die Kamera (ca 1,5 KG) saust, auch wenn der Schlitten senkrecht Richtung Boden zeigt, nicht in einem Satz nach unten, nein sie gleitet minimal abwärts und das auch kaum merklich. Ob sich das noch ändert, kann ich allerdings nicht sagen.
Die Verwendung ist sehr angenehm und präzise. Auf der Website wird noch ein Feinjustage-Griff angeboten, der jedoch bei einem Abbildungsmaß von 2:1 meiner Ansicht nach nicht notwendig ist.

Forget-me-not

Die Anwendungsmöglichkeiten sind schon sehr speziell; fokussieren im Nahbereich und theoretisch besteht die Möglichkeit den Schlitten als einfachen Nodalpunktadapter zu nutzen. Theoretisch? – Ja, da ich meine Kamera nicht im Hochformat um den Nodalpunkt rotieren lassen kann. Um Die Kamera hochformatig im Nodalpunkt auf dem Schlitten zu befestigen wäre ein Winkel oder eine Objektivschelle notwendig. Ich besitze momentan beides nicht, somit ist diese Verwendungs-möglichkeit nicht relevant.

Novoflex Castel L mit Kamera

Also zurück in den Bereich der Macroaufnahmen: Stativ grob ausrichten, Kamera auf den Schlitten und auf die Suche nach der Fokusebene. Schnell fällt mir auf, dass das Ausrichten immer noch einige Tücken aufweist – Die Fokusebene ≠ Laufspuhr einer Ameise (da hilft nur trial and error 😉 ) und es gibt ein wenig Spiel zwischen dem Kugelkopf (Manfrotto 498RC2) und der Wechselplatte (200PL). Das Spiel ist nicht viel und auch kein Beinbruch, muss jedoch beim Einsatz bedacht werden.

Ant

Eins kann ich sagen: stabil ist die Konstruktion, jedenfalls nachdem der Ausschnitt gewählt und der Stativkopf arretiert ist. Kein schwingen und kein schaukeln, so wie ich mir das gewünscht habe.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen dass es deutlich angenehmer ist die Aufnahmen auf diese Weise zu machen. Notwendig ist ein solcher Schlitten natürlich nicht, sorgt aber für deutlich weniger Frust bei der Macro – Fotografie.

Und zum Schluss noch: Danke Paul für die Möglichkeit mich auch mal im bloggen versuchen zu dürfen. =)

Orionnebel – ein erster Versuch

Astrofotografie fasziniert mich schon länger, sie lässt Himmelsobjekte erscheinen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Nebel, Galaxien und Planeten sind plötzlich greifbar. Vielerorts in Deutschland ist die Lichtverschmutzung so groß, dass es dort keinen Sinn macht, in die Tiefen des Weltalls zu blicken. Nicht so in Südbrandenburg. Dort ist nicht viel los und das bedeutet, dort ist es nachts sehr dunkel. Die Milchstraße ist dort mit bloßem Auge zu erkennen.

Zur Zeit ist das Sternbild Orion in seiner ganzen Pracht zu bewundern. Und da wollte ich in der klaren Nacht am Valentinstag versuchen, den Orionnebel zu fotografieren. Ich wusste, dass es ihn gibt, aber dummerweise nicht genau wo er liegt und wie groß er ist. Das Nikkor AF-S 50mm f/1.8 vor meine D7000 geschnallt und los gings. Irgendwo in der Nähe der drei zentralen Sterne musste er liegen. Also grob aufs Zentrum gezielt und mit dem Intervallauslöser 35 Aufnahmen gemacht. Alle bei 4s Belichtungszeit, Blende f/2 und zwischen ISO2500 und ISO 6400. So sahen dann die Einzelbilder aus:

Orion Nebula
Aufnahme bei ISO2500

Orion Nebula
Aufnahme bei ISO4000

Orion Nebula
Aufnahme bei ISO6400

Die Aufnahmen sind schon in Lightroom bearbeitet und gecropped. Man kann sehen, wie klein der Orionnebel ist. 50mm Brennweite an einer APS-C-Kamera sind also immer noch viel zu kurz. Das nächste mal werde ich mein Nikkor 105mm f/1.8 AIS nutzen, da sollten bessere Ergebnisse herauskommen. Es sollte auch nur ein erster Versuch sein. Deshalb habe ich die 35 Aufnahmen mit Deepskystacker zu einem Foto kombiniert/gestacked. Hier ist das Ergebnis, dass ich für den ersten Versuch gar nicht so schlecht finde.

Orion Nebula
Fertig gestacktes Foto aus 35 Einzelaufnahmen.

Durch das Überlagerung der Informationen aller Fotos bekommt der Nebel mehr Struktur und kann im Nachhinein noch besser herausgearbeitet werden. Ich werde mich demnächst nochmal auf den Weg machen, um ihn noch besser abzulichten.

Testbericht Fujifilm X-M1

Um es vorweg zu nehmen, ich bleibe Nikon treu und wechsle nicht zum Fuji X-System. Aber wie heißt es so schön, auch andere Mütter haben schöne Töchter. Also warum dann nicht mal einen Blick über den Tellerrand wagen?

Fuji X-M1

Fuji X-M1

Schon seit letztem Jahr befindet sich eine Fuji X-M1 mit 16-50mm Objektiv in unserem Haushalt und ich hatte genug Gelegenheit mich mit ihr zu befassen. Habe unter anderem bei einer Hochzeit mit ihr fotografiert. Aber eigentlich gehört sie ja meiner Freundin. Sie hat sie sich gekauft, da ihre Kompaktkamera unbrauchbar (fieser Schmutz im Objektiv) geworden war. Ich riet ihr damals zu einer Systemkamera. Ehrlich gesagt war ich selbst auch sehr neugierig, was so eine Spiegellose kann. Ich nehme es vorweg, sie ist ein feines Gerät und ich bereue meine Empfehlung nicht.

Ich fange am besten mal mit dem Äußeren an. Die Fuji X-M1 hat einen Kunststoff-Body. Im Netz wird der oft als wenig wertig und billig beschrieben. Kann ich so nicht bestätigen. Ja klar, eine echte Belederung wäre haptisch besser und würde den Retro-Style noch verstärken, aber man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen. Der Body alleine kostet nur rund 450€ und ist vollgestopft mit feinster Technik. Dass man da ein paar Abstriche machen muss, sollte klar sein. Der Kunststoff ist wie eine Belederung strukturiert und bietet genug Halt, es sei denn man hat schwitzige Hände, dann wird er schnell glatt. Aber die kleine Griffwulst vermittelt zusätzliche Sicherheit, zumindest ein bisschen.

Batterie- und Kartenfach der Fuji X-M1

Batterie- und Kartenfach der Fuji X-M1

Es ist nicht alles gelungen, was das Gehäuse betrifft. Das Stativgewinde liegt erstens nicht mittig auf der Bildachse und zweitens so nah am Batterie- und Kartenfach, dass dieses bei angeschraubter Wechselplatte nicht mehr auf geht. Was hat sich Fuji dabei gedacht? Finde ich nicht gut gelöst.

Bedienelemente Fuji X-M1

Bedienelemente Fuji X-M1

Die Bedienelemente sind alle gut erreichbar angeordnet, auch für kleinere Frauenhände. Die zwei Einstellräder liegen recht nah beieinander, aber das macht die Einhandbedienung leichter. Das Moduswahlrad liegt weiter weg und damit verstellt man auch nichts aus Versehen. Die Knöpfe für die grundlegende Bedienung sind logisch angeordnet und man findet sich sofort zurecht, wenn man schon mal eine Digitalkamera in der Hand hatte. Allerdings lassen sich die Knöpfe mit dünnen Handschuhen kaum mehr bedienen, da sie recht klein und ins Gehäuse eingelassen sind.

Blitz der Fuji X-M1

Blitz der Fuji X-M1

Der integrierte Blitz ist für seine Größe verdammt stark (LZ 7). Er klappt, nein er schnellt eher, per Knopfdruck aus dem Gehäuse und ragt hoch empor. Aber das Ganze wirkt doch etwas filigran. Ist eine Streulichtblende auf das Objektiv gesetzt, gibt’s eine unschöne Abschattung im Bild, aber das Problem haben eigentlich alle integrierten Blitze.

Klappbildschirm und Quickmenü der Fuji X-M1

Klappbildschirm und Quickmenü der Fuji X-M1

Sehr gut finde ich den klappbaren Bildschirm. Der wirkt von der Mechanik her nicht so klapprig, wie diese dreh- und kippbaren Bildschirme. Er löst mit 921k auch gut auf, aber das setze ich heutzutage auch voraus. Und noch besser finde ich das Quickmenü, in dem man alle grundlegenden Einstellungen vornehmen kann. Ist sehr gut gelöst und lässt auch keine Knöpfe für die direkte ISO-Wahl, oder für den Fokusmodus vermissen. Das richtige Menü ist übersichtlich und klar strukturiert. Es kommt Nikon-Nutzern von seiner Art her bekannt vor. Ich kam sofort damit zurecht. Die X-M1 hat integriertes WiFi und Fuji bietet für iOS und Android ein entsprechende App an. Ich hab mich damit noch nicht näher beschäftigt.

Fuji XC 16 - 50mm F3.5-5.6 OIS

Fuji XC 16 – 50mm F3.5-5.6 OIS

Das Objektiv, das es im Kit mit der X-M1 gab, ist besser als gedacht. Es hat zwar nur ein Kunststoff-Bajonett, und besteht auch sonst nur aus Kunststoff, aber die optischen Leistungen sind klasse. Egal bei welcher Brennweite, es ist bei Offen-blende schon sehr scharf. Es verzeichnet am weitwinkligen Ende etwas, aber das ist noch vollkommen okay. Fuji bietet für das X-System noch so einige andere Objektive an. Aber die meisten davon liegen preislich in den hohen dreistelligen Euro-Bereichen. Dafür sollen sie von exzellenter (optischer) Qualität sein.

Der Autofokus ist nicht der schnellste, aber das liegt wohl nicht am Objektiv. Das X-System ist nicht für seinen Autofokus berühmt, sondern für seine Sensoren. Beim Manuellen Fokussieren steht Fokus-Peeking zur Verfügung. Klappt sehr zuverlässig. Ein Klick auf das hintere Einstellrad und schon landet man in der 100%-Ansicht. Finde ich sehr gut umgesetzt.

Der X-Trans-Sensor ist der Wahnsinn! Er hat 16MP, genau wie meine D7000, aber ist deren Sensor um einiges überlegen. Und zwar in allen Belangen. Farbwiedergabe? Besser, vor allem die Hauttöne sind realistischer. Dynamikumfang? Besser, sowohl was Tiefen, als auch Lichter betrifft. Rauschverhalten? Mindestens eine Blende besser. Detailwiedergabe und Schärfe? Einfach nur WOW! Was die X-M1 an Details raushaut ist der Wahnsinn. Während der Hochzeit meiner Schwägerin habe ich mit der X-M1 viele Fotos gemacht und die meisten davon bei ISO-Werten über 1600. Die Ergebnisse sind sehr gut. Selbst bei ISO3200 besitzen die RAWs noch ein paar Reserven (vor allem in den Lichtern), dass in der Nachbearbeitung einiges machbar ist.

Ich hab mal drei Beispielfotos in voller Größe in die Galerie gepackt. Da kann sich jeder selbst ein Urteil bilden.

Fazit

Die Fuji X-M1 ist eine durchdachte (bis auf das Stativgewinde) Systemkamera zu einem fairen Preis. Der 16MP X-Trans-Sensor ist einfach klasse. Mit Adaptern kann man auch so manche Objektivschätze anderer Hersteller und Epochen an ihr nutzen (ich mache das mit meinen Nikon-Objektiven so), nur halt ohne Autofokus. Aber das gut funktionierende Fokus-Peeking greift einem da gut unter die Arme.

Ich kann die X-M1 nicht mit anderen Systemkameras vergleichen, daher weiß ich nicht, wie die sich, vor allem was die Bildqualität betrifft, schlagen. Aber ich finde die Fuji X-M1 trotzdem sehr empfehlenswert.

Nikon AF-S 35mm f/1.8G DX – viel Licht und etwas Schatten

Nach langer Zeit der Benutzung möchte ich heute mal eine Bericht über das Nikon AF-S 35mm f/1.8G DX schreiben. Ich wollte das eigentlich schon länger machen, bin aber irgendwie nie dazu gekommen. Nun nehm ich mir mal die Zeit, Vor- und Nachteile des 35mm 1.8G DX näher zu beleuchten.

So sieht es aus, das Nikon AF-S 35mm f/1.8G DX.

So sieht es aus, das Nikon AF-S 35mm f/1.8G DX.

Was man immer als erstes an einem Objektiv sieht, ist das Gehäuse und die Verarbeitungsqualität. Beides ist beim 35mm f/1.8G DX in Ordnung, aber nicht herausragend. Plastik dominiert, allerdings ist diese doch relativ wertig, gut verarbeitet und wirkt nicht billig oder klapprig. Das darf man jedoch für auch ca. 160€ erwarten. Zum Lieferumfang gehört neben der Gegenlichtblende und den beiden Deckeln auch eine Objektivtasche.

Wer noch alte Filter für den früher gängigen Durchmesser von 52mm hat, wird sich freuen, denn auch das 35mm f/1.8G DX hat ein 52mm Filtergewinde. Wer allerdings eine Vollformatkamera sein Eigen nennt, dem sei gesagt, dass das Objektiv nur für das DX-Format (also Crop-Sensor) gedacht ist.

Fokuswahlschalter am Nikkor

Fokusart-Wahlschalter am Nikkor

Nun aber zum viel interessanteren Teil, der Bildqualität und dem Autofokus. Der Autofokus ist ein Ultraschallmotor, der seinen Dienst leise und flott verrichtet. Zudem ist er an meiner D7000 sehr treffsicher. Ich musste jedoch vorab eine Fokuskorrektur vornehmen, damit er wirklich punktgenau sitzt. Vor der Anpassung zeigte sich ein merklicher Backfokus. Das ist jedoch an meiner D7000 bei einigen Objektiven der Fall. Wie bei den neueren Nikon-Objektiven üblich, gibt es die Möglichkeit den Autofokus manuell zu beeinflussen (Stellung M/A).

Lediglich schummriges Kerzenlicht und ein kleines Kellerfenster beleuchteten die Szene. Der Autofokus traf auf Anhieb sein Ziel und die Lichtstärke des Nikkor sorgt dafür, dass eine allzu hohen ISO-Werte benötigt werden.

Lediglich schummriges Kerzenlicht und ein kleines Kellerfenster beleuchteten die Szene. Der Autofokus traf auf Anhieb sein Ziel und die Lichtstärke des 35mm f/1.8G DX sorgt dafür, dass keine allzu hohen ISO-Werte benötigt werden.

Nun zur Bildqualität. Die Schärfe ist in meinen Augen absolut top, schon bei Offenblende sind die Fotos auf jeden Fall zu gebrauchen, was ja nicht bei allen Festbrennweiten mit großer Blendenöffnung der Fall ist. Das 35mm 1.8G DX ist hier dem Nikon AF-S 50mm f/1.8G etwas überlegen. Blendet man auf f/2.2 ab, so nimmt die Schärfe nochmal deutlich zu. Die schärfsten Ergebnisse liefert das 35mm 1.8G DX bei Blende 4. Das ist mein persönlicher, subjektiver Eindruck. Ich werde nicht anfangen und irgendwelche Siemenssterne fotografieren, denn was in meinen Augen wirklich zählt sind die Ergebnisse im echten Einsatz. Oberhalb von f/4 nimmt die Schärfe an sich nicht mehr zu, bis f/8 aber auch kaum ab. Allerdings muss ich sagen, dass das Nikon AF-S DX 16-85mm f/3.5-5.6G ED VR ab Blende 5.6 absolut ebenbürtig ist, bei f/8 subjektiv sogar etwas überlegen. Wer also die Lichtstärke des 35mm f/1.8G DX nicht benötigt und das Nikon 16-85mm f/3.5-5.6G DX schon sein Eigen nennt, der verbessert sich nicht und kann sich die Investition sparen. Das Zoomobjektiv ist dem 35mm f/1.8G DX auch in Bezug auf Verzeichnung überlegen. In diesem Punkt leistet sich das 35er doch eine deutliche Schwäche. Klar lässt sich diese zusammen mit der Vignette in Lightroom und Photoshop korrigieren, aber das muss bei einer Festbrennweite nicht sein. Das 50mm f/1.8G von Nikon verzeichnet beispielsweise so gut wie gar nicht.

Was scharf sein soll ist es, und zwar knackig. Bei f/4 hat das 35mm f/1.8G DX seine subjektiv beste Schärfeleistung.

Was scharf sein soll ist es, und zwar knackig. Bei f/4 hat das 35mm f/1.8G DX seine subjektiv beste Schärfeleistung.

Crop vom oberen Bild zu besseren Schärfebeurteilung.

Crop vom oberen Bild zu besseren Schärfebeurteilung.

Flares und Geisterbilder sind nicht wirklich ein Thema beim Nikon AF-S 35mmm f/1.8G DX. Ja, ab und zu treten sie auf, aber nur in Maßen und vor allem doch sehr berechenbar. Ganz anders als beim Tokina AT-X 116 Pro DXII. Dafür hat das 35mm f/1.8G DX ein anderes Problem, und zwar Chromatische Aberrationen, zu denen es sehr deutlich neigt. Fotografiert man durch Äste eine Baumes hindurch, so sind an jedem Ast violette und /oder grüne Farbsäume auszumachen. Bei einigen Objektiven hilft Abblenden, um das Auftreten von CAs zu minimieren. Beim 35mm f/1.8G DX bringt nicht viel. Die CAs sind teilweise (bei besonders kontrastreichen Motiven z.B.) dermaßen stark, dass man sie nicht ohne merklichen Qualitätsverlust in Lightroom bzw. Photoshop korrigieren kann. Da bleibt einem häufig nur die Umwandlung in S/W, was aber auch nicht im Sinne des Erfinders ist.

Grün und violette Farbsäume sind bei kontrastreichen Fotos keine Seltenheit.

Grüne und violette Farbsäume sind bei kontrastreichen Fotos keine Seltenheit.

Was mir besonders am 35mm f/1.8G DX gefällt ist, dass es mit nur 30cm eine sehr kurze Naheinstellgrenze besitzt und damit vor allem für Blumen- und Blütenfotografie hervorragend einsetzbar ist. Was mir aber wiederum nicht gefällt, ist die fehlende Entfernungsskala. Sowas gehört einfach an ein Objektiv!

Blüten-und Blumenfotografie ist dank der geringen Naheinstellgrenze sehr gut möglich.

Blüten-und Blumenfotografie ist dank der geringen Naheinstellgrenze sehr gut möglich.

Umso näher man ans Objekt der Begierde heranrückt, desto geringer wird auch die Schärfentiefe. Und da wären wir auch schon beim Thema Bokeh. Wie sieht der unscharfe Bereich hinter dem Objekt aus? Also mir gefällt das Bokeh, vor allem bis f/4 ist es relativ weich, allerdings nie so cremig, wie das vom Tamron 90mm f/2.8 Makro. Ich hab mal nachts Spitzlichter mit Absicht unscharf fotografiert um zu zeigen, wie sich mit dem Schließen der Blende die Unschärfekreise verändern. Bei f/2.8 kann man schon leichte „Ecken“ bei den Kreisen ausmachen, bei f/4 werden sie schon eher zu Polygonen. Für ein Objektiv mit nur 7 Blendenlamellen ist das Ergebnis durchaus in Ordnung.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das soll es auch schon gewesen sein mit meinem kleinen Beitrag zum Nikon AF-S 35mm f/1.8G DX.

Fazit

Das Nikon AF-S 35mm f/1.8G DX ist ein sehr scharfes Objektiv, mit schnellem Autofokus und kurzer Naheinstellgrenze. Allerdings neigt es sehr stark zu Chromatischen Aberrationen und verzeichnet für eine Festbrennweite doch etwas zu stark. Dennoch ist es in meinen Augen ein sehr gutes Objektiv und sein Geld wert.

Tokina AT-X 116 Pro DXII / 11-16mm f/2.8 – extrem scharf, mit einem großen ABER

Es gibt bisher kaum Erfahrungsberichte über die zweite Version des Tokina 11-16mm f/2.8, daher möchte ich meine Erfahrungen teilen. Ich hatte vorher das Sigma 10-20 f/4-5.6 EX DC HSM und werde mich hin und wieder darauf beziehen, genauso wie auf mein Nikon AF-S 16-85mm f/3.5-5.6G.

Tokina 11-16mm f/2.8 DXII in seiner ganzen Pracht

Tokina 11-16mm f/2.8 DXII in seiner ganzen Pracht

Da liegt es nun vor mir, das Tokina 11-16mm f/2.8. Mit seinen Eigenschaften steht es allein auf weiter Flur. Es gibt sonst kein Ultraweitwinkelobjektiv für das DX-Format (bzw. APS-C) mit durchgängiger Blende f/2.8. Ja klar, es gibt noch das Über-Ultraweitwinkel, das Nikon AF-S 14-24mm f/2.8G, aber das ist erstens exorbitant teuer und zweitens weniger weitwinklig in Verbindung mit einem Crop-Sensor. Der Unterschied von 11mm zu 14mm ist gewaltig, mehr als die Zahlen vielleicht auszudrücken vermögen. Dann gibt es da noch das Sigma 10-20mm f/3.5 EX DC HSM, aber das hat eine um 2/3 geringere maximale Blende. Das Tokina sticht also hervor aus dem Angebot der erhältlichen UWW-Objektive für das DX-Format.

Warum eigentlich Blende f/2.8 bei einem Ultraweitwinkel? Wegen dem Freistellungspotezial sicher nicht! Es geht um Lichtstärke und darum, bei Milchstraßenfotos den ISO-Wert nicht in ganz so schwindelerregende Höhen schrauben zu müssen, ebenso, wie im schummrigen Licht eines dichten Waldes.

Nachts bei f/2.8 spielt das Tokina seine Stärken voll aus (11mm, 30s und ISO4000).

Nachts bei f/2.8 spielt das Tokina seine Stärken voll aus (11mm, 30s und ISO4000).

Wenn man das Objektiv auspackt stellt man fest, dass es ein ganz ordentlicher Brocken ist, 550g sind knapp 100g mehr, als mein altes Sigma 10-20 f/4-5.6 wog. Der Kunststoff fühlt sich wertig an und nichts klappert oder wackelt. Auch das Verschieben des Fokusrings zum Umschalten zwischen AF und MF funktioniert einwandfrei. Zudem läuft der Fokusring weich, mit einem guten Widerstand. genauso wie der Ring zur Verstellung der Brennweite. Zum Objektiv werden noch eine Streulichtblende, sowie beiden Abdeckkappen geliefert. Die Streulichtblende schnappt satt ein und man muss keine Angst haben, sie mal zu verlieren. Was mir gut gefällt ist, dass das Tokina eine Gummilippe am Bajonett hat, um Schmutz und Feuchtigkeit abzuhalten. Meine Nikon AF-S-Objektive haben das auch alle, meine Tamron-Objektive nicht. Das Sigma hatte es auch nicht. Ob diese Gummilippe wirklich was bringt oder nur etwas fürs Gewissen ist, lass ich mal offen.

Die Gummilippe ist am Rand des Metallbajonetts zu sehen.

Die Gummilippe ist am Rand des Metallbajonetts zu sehen.

Tokina hat in der zweiten Version des 11-16mm f/2.8 einen Ultraschallmotor für den Autofokus verbaut, welcher leiser und schneller als der Stangenantrieb der ersten Version sein soll. Da ich die erste Version nicht habe, kann ich keinen Vergleich damit anstellen. Stattdessen müssen das Sigma und mein Nikon AF-S 16-85mm f/3.5-5.6G als Vergleich herhalten. Und da muss ich ganz klar sagen, der Autofokus des Tokina ist weder besonders schnell, noch leise. Mein Sigma war schon relativ laut für einen Ultraschallmotor, aber das Tokina ist noch lauter. Es klingt eher nach einem konventionellem Motor, kein Vergleich zu dem flüsterleisen Exemplar im Nikon. Das Sigma war auch in der Geschwindigkeit besser, nicht viel aber merklich. Auch hier ist das Nikon viel schneller. Mangelnde Geschwindigkeit kann man bei einem UWW vielleicht verschmerzen, fehlende Genauigkeit nicht. Und da versagt das Tokina bei schlechten Lichtverhältnissen jedoch vollkommen. Während es mit dem Sigma und auch dem Nikon nachts kein Problem ist, auf eine Lichtquelle zu fokussieren, klappt das mit dem Tokina nur mit Glück und Geduld. Das ist wirklich schade, vor allem weil ich auch mal gern Sterne fotografiere. Aber auch am Tag hat das Tokina so seine Probleme mit dem Finden des richtigen Schärfepunktes. Ich stelle mit ihm mittlerweile oft nur noch per Hand scharf, weil es erstens mindestens  genauso schnell geht und zweitens mit dem Schärfeindikator der D7000 auch präziser ist. Da muss Tokina dringend nachbessern!

Der Wechsel vom Autofokus zum manuellen Fokus erfolgt durch Verschieben des Fokusrings.

Der Wechsel vom Autofokus zum manuellen Fokus erfolgt durch Verschieben des Fokusrings.

Nun zu den optischen Leistungen. Soviel vorweg, es ist verdammt scharf. Umso schlimmer wiegt auch, dass der Fokus nicht immer sitzt, nur um das nochmal zu verdeutlichen. Aber nun zurück zur Bildqualität. Ich habe das Tokina AT-X 116 Pro DXII auf einer Tour durch das Elbsandsteingebirge mit gehabt und war von seiner Abbildungsleistung sehr beeindruckt. Gestochen scharf bis in die Ecken, von perspektivischen Abbildungsfehlern mal abgesehen, die man dem Objektiv aber nicht anlasten darf. Was aber auffiel ist, dass das Tokina die Farben relativ kühl (leicht ins bläuliche gehend) wiedergibt, anders als ich das von den Nikkoren gewohnt bin, die etwas wärmer (rot-orange-gelb sind etwas stärker ausgeprägt) abbilden. Da ich sowieso in RAW fotografiere ist das nicht weiter störend, auffällig ist es trotzdem. Da war das Sigma 10-20 f/4-5.6 EX DC HSM neutraler. Allerdings war das Sigma auch bedeutend schwächer in der Schärfe, was mir später bei Vergleichsfotos besonders aufgefallen ist. Was ganz klar zu erkennen ist, wenn man länger mit dem Tokina fotografiert, ist es bei Offenblende und 11mm am schärfsten ist. Bis f/4 nimmt die Schärfe kaum ab, aber auch bei f5.6 bis f/11 ist das Tokina noch sehr scharf. Schärfer als das Sigma je wird. Auch mit zunehmender Brennweite nimmt die Schärfe weiter ab. Bei 16mm ist es schon relativ matschig, aber verglichen mit dem Sigma immer noch überlegen. Dem Nikon AF-S 16-85mm f/3.5-5.6G ist es jedoch bei 16mm unterlegen. Ich fotografiere sowieso meist bei 11mm mit dem Tokina, also ist das weniger störend aber doch erwähnenswert für die, die das 16-85mm von Nikon nicht ihr Eigen nennen.

Bis in die Ränder scharf, bei f/11 und 11mm Brennweite

Bis in die Ränder scharf, bei f/4 und 11mm Brennweite

Nun zur Vignettierung. Ja, die treten bei Offenblende auf, aber in meinen Augen nicht wirklich unangenehm. Spätestens bei f/5.6 sind sie verschwunden. Hier ist es so, dass bei 11mm die Vignette stärker ausgeprägt ist, als bei 16mm Brennweite. Bei Thema Vignette nehmen sich das Tokina und das Sigma nicht viel. Wer nicht auf eine Vignette steht, oder Panoramas aus mehreren Fotos zusammenfügen will, der kann diese in Lightroom leicht entfernen. Weiter mit den Verzeichnungen. Auch die treten auf, tonnenförmig und auch hier verstärkt am weitwinkligen Ende. Ich muss sagen, dass da das Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX DC HSM besser war und weniger stark verzeichnete. Bei 16mm Brennweite ist kaum noch eine Verzeichnung festzustellen.

Chromatische Aberrationen treten bei dem Tokina AT-X 116 Pro DXII durchaus auf. Vor allem in den Ästen von Bäumen kann man leichte lila Farbsäume ausmachen. Die lassen sich jedoch leicht in LR korrigieren, trotzdem geht das besser, wie das Sigma 10-20 f/4-5.6 EX DC HSM zeigt. Dort waren CAs gar kein Problem.

Zu guter letzt noch einige Worte zum Thema Flares (Blendenflecken) und Geisterbilder. Das Sigma hatte schon einige hässliche Flares bei Gegenlichtquellen produziert, aber das Tokina ist leider bei diesem Thema nochmals deutlich schlechter. Und dabei sollte eine neue Linsenbeschichtung der zweiten Version des 11-16mm f/2.8 gerade Flares (und CAs) verhindern. Bei meinen Tests, die teilweise zugegebenermaßen etwas extrem waren, wurde mehr als deutlich, dass Tokina Flares und Geisterbilder immer noch nicht im Griff hat.

Lichtreflexe wo keine sein sollten, typisch für das Tokina AT-X 116 Pro DXII.

Lichtreflexe wo keine sein sollten, typisch für das Tokina AT-X 116 Pro DXII.

Das Innere des Objektivs ist klar zu erkennen.

Das Innere des Objektivs ist klar zu erkennen.

Im unteren Beispielbild mit zwei Lichtquellen von vorn kann man sogar das Innere des Objektivs sehen. Das bedeutet die Linsen spiegeln das Licht, das vom Sensor zurückgeworfen wird wieder zurück zum Sensor. Das ist mir bis jetzt noch bei keinem anderen Objektiv passiert. Klar, das Beispiel ist eine wirklich extreme Situation, aber trotzdem ein Zeugnis von unzureichender Linsenvergütung. Was die Vergütung und Beschichtung der Linsen betrifft, sollte Tokina dringend nachbessern. Denn somit wird die ansonsten hervorragende Abbildungsleistung in manchen Situationen regelrecht zunichte gemacht. Was nützt mir ein Objektiv, dass zwar sehr scharf abbildet, aber die Fotos durch Flares und Geisterbilder unbrauchbar werden? Nicht viel, soviel ist klar. Wird die frontale Sonne durch Wolken diffus gestreut, sind kaum mehr Flares zu erkennen, das Problem sind also Spitzlichter.

Diffuses Licht von vorn ist kaum ein Problem.

Diffuses Licht von vorn ist kaum ein Problem.

Fazit

Das Tokina AT-X 116 Pro DXII könnte ein optisch hervorragendes Objektiv sein, wäre da nicht diese elende Flareanfälligkeit. Mit der Lichtquelle im Rücken ist es überragend, vor allem die Schärfe ist wahnsinnig gut. Der Autofokus ist nicht gerade schnell, nicht unbedingt der treffsicherste und leise ist er auch nicht. Dafür ist das Tokina für die Ewigkeit gebaut, ein regelrechter Panzer. Ich mag es sehr und benutze es auch relativ oft, trotz der angesprochenen Schwächen. Empfehlen kann ich es trotzdem nicht unbedingt, dafür ist es einfach zu teuer. Die UVP liegt bei 859€ und die ist es nicht wert, so klar muss ich das sagen.Zur Zeit schwankt der Preis bei Amazon und eBay zwischen 540€ und 720€. Leider gibt es das Angebot, das ich vor einiger Zeit genutzt habe nicht mehr. Ich habe es glücklicherweise neu für reichlich 400€ bekommen. Deswegen habe ich es mir damals auch zugelegt, zumal der Verkauf des Sigma einen Großteil der Investition wieder eingespielt hat.

Warum ich einen Polfilter nutze

Oft wird gesagt, dass mit dem Einzug digitaler Kameras und der Möglichkeit der nachträglichen Bildbearbeitung, Filter aus der analogen Zeit des Fotografierens überflüssig geworden sind. Um es kurz zu machen, das ist völliger Quatsch! Es gibt Filter, deren Effekte man nicht mittels Fotosoftware künstlich erzeugen kann. Ein Polfilter ist dafür ein Beispiel. Eine spiegelnde Wasseroberfläche kann man im Nachhinein nicht durchsichtig zaubern. Und sollte vor Ort zuviel Licht für eine gewünschte Kombination aus Blende und Belichtungszeit, hilft im Nachhinein auch kein Photoshop mehr. Da hilft nur ein ND-Filter (oder auch Graufilter genannt). In diesem Beitrag soll es vor allem um erstgenannte Filter gehen.

Ich nutze zurzeit einen Polfilter für mein 16-85mm Nikkor, für die anderen Objektive habe ich keinen. Brauche ich aber auch nicht, da das 16-85er alle wichtigen Brennweitenbereiche abdeckt, bei denen ich einen Polfilter nutzen will. Was ein Polfilter genau macht, wird bei Wikipedia genauer beschrieben. Warum ich ihn nutze, will ich hier schreiben.

Auf der US Car Convention habe ich fast die ganze Zeit mit Polfilter fotografiert. Ich wollte verhindern, dass im Lack des fotografierten Fahrzeugs nur Reflektionen und Spiegelbilder zu sehen sind. Stattdessen sollten die Autos in ihrer vollen Pracht zu Geltung kommen, mit möglichst satten Farben und knackigen Kontrasten. Vor allem bei ordentlich polierten Fahrzeugen mutiert die Lackierung häufig zum reinsten Spiegel. Wer schon mal durch eine Glasscheibe fotografiert hat, weiß, dass man oftmals sich selbst fotografiert, und nicht das Objekt hinter der Scheibe. Das ist im Prinzip dasselbe. In beiden Fällen kann ein Polfilter Abhilfe schaffen.

Autolack und Polfilter

Autolack und Polfilter

Autolack und Polfilter

Autolack und Polfilter

Ich selbst nutze übrigens einen Polfilter von B+W, mit dem ich sehr zufrieden bin. Der oben gezeigte Effekt funktioniert auch bei Seen und sonstigen reflektierenden Gegenständen. Man muss nur beachten, dass der Effekt seine Grenzen hat. Die Lichtquelle (es muss ja nicht immer die Sonne sein), sollte aus einer seitlichen Richtung kommen. Beim roten Chevy unten sieht man ganz deutlich, dass zwar die Spieglungen an den Seitenflächen verschinden, auf der Motorhaube jedoch nur leicht reduziert werden. So ist das auch, wenn man einen See mit Himmel fotografiert. Wird der Himmel schön kräftig, kann es sein, dass der See flau wirkt und spiegelt. Ein Allheilmittel ist der Polfilter also nicht.

Grenzen des Polfilters

Grenzen des Polfilters

Es gilt aber beim Gebrauch eine Polfilters auch ein paar Dinge zu beachten. Erstens, er schluckt Licht und zwar nicht wenig. Bei meinem B+W ist es circa eine Blende. Das ist am helllichten Tage nicht der Rede wert, aber sobald weniger Licht vorhanden ist, merkt man das schon. Bei Ultraweitwinkelobjektiven ist ein Polfilter meist wenig sinnvoll, da es bei ihnen zu einer ungleichmäßigen Belichtung kommt. Das liegt am großen Bildwinkel der Objektive und der damit unterschiedlichen Wirksamkeit des Filters. Selbst bei 16mm Brennweite an meiner D7000 kann man diesen Effekt schon beobachten. Es ist zudem manchmal etwas fummelig, den Filter zu drehen, wenn man eine Streulichtblende am Objektiv hat. Ich hatte auf der USCC den Finger immer nahe des Filters, um ihn fix drehen zu können. Naja, und manchmal war der Finger am Auslöser schneller, als der Finger am Filter und dann passiert sowas:

Finger am Filter

Finger am Filter

Es steht an meinen Fotos zwar immer dran, mit und ohne Polfilter, aber ich habe ihn nie wirklich abgenommen. Vielmehr hab ich ihn immer soweit gedreht, dass die Reflektionen auftraten, die ich auch mit dem Auge so gesehen hab. In Oberwiesenthal hatte ich den Polfilter auch ein paar mal drauf, um den Himmel zu einem kräftigeren Blau zu verhelfen und die Kontraste etwas zu verstärken.

Einen Polfilter kannman auch nutzen, um Reflektionen zu verstärken, denn das funktioniert natürlich auch super:

gewollte Reflektion

gewollte Reflektion

Demnächst wird noch ein Beitrag über Graufilter folgen, denn wie geschrieben, sind auch diese keinesfalls überflüssig geworden.