Plexiglas statt Photoshop – Spiegelungen leicht gemacht

Wenn man so durch die eigene Wohnung stöbert, findet man hier und da Objekte, die auf einem Foto was her machen könnten. Seien das nun Urlaubsmitbringsel, Deko-Staubfänger oder abgefallene Blüten. Während einige Dinge auch mit klassischen Licht-Setups gut rüberkommen (z.B. Tropfen auf einer Tulpenblüte oder ein Terrakotta-Krieger), wollen manche einfach nicht wirken. Eine kleine Spiegelung würde einiges bringen.

Einige denken sich dann, nichts wie ran an Photoshop und fix einfügen. Geht zwar, muss aber nicht sein. Der Baumarkt bietet da eine einfachere Lösung: Plexiglas. Das gibt’s in verschieden Farben, Dicken und Lichtdurchlässigkeiten. Eine schwarze Scheibe Plexiglas mit 0% Transmission ist nichts anderes als ein schwarzer Spiegel. Der Vorteil von einer Plexiglasplatte ist, dass man sie immer wieder nutzen und mit Lichtsituationen experimentieren kann. Auch die Ausrichtung des Objektes auf der Platte und die Position der Kamera relativ zum Objekt kann beliebig ausprobiert werden. In Photoshop muss man da jedes mal von neuem anfangen. Man läuft auch nicht Gefahr, dass die Spiegelung unecht aussieht, oder vielleicht verzerrt.

gespiegelte Muschel

gespiegelte Muschel (D7000, 60mm, 1/200s, f/16, ISO100)

Das Foto oben kommt direkt aus der Kamera. Es ist schwarzweiß, da ich Picture Control in meiner D7000 auf Monochrom gestellt habe, somit kann ich Kontraste besser beurteilen. Mal davon abgesehen mag ich die interne schwarzweiß-Konvertierung der D7000 sehr gern.

Das Lichtsetup für das das Foto ist recht einfach:

Licht-Setup für Spiegelungen

Licht-Setup für Spiegelungen

Links ein einfacher Yongnuo-Blitz mit Softbox, rechts ein Stück weißer Karton als Aufheller und dahinter schwarzer Karton, mehr ist nicht zu machen. Ihr müsst nur aufpassen, dass weder der Blitz, noch der Aufheller eine Spiegelung auf der Plexiglasplatte erzeugen, die im Bild liegt. Außerdem muss die Platte sauber sein, eigentlich staubfrei. Ist aber unrealistisch, weswegen hier und da doch etwas digitale Nacharbeit nötig ist. Geht jedoch in Lightroom recht flott. Wer keinen Blitz sein Eigen nennt, der kann auch eine Taschenlampe nehmen.

Nach ein paar Verbesserungen in Lightroom sieht das Endergebnis dann so aus: crystal Kleiner Hinweis: je flacher der Winkel von Objektivachse zu Plexiglasplatte, desto besser bzw. heller die Spiegelung. Ich habe das Plexiglas übrigens nicht aus dem Baumarkt, sondern hier bestellt: Expresszuschnitt.de. Erstens sind sie günstig und zweitens schneiden die einem genau die Größe zu, die man möchte. Schnell sind sie auch noch, Montag Nachmittag bestellt und Donnerstag schon da. Ich habe mir eine schwarze und eine weiße Platte (mal sehen, was ich damit anstelle ^^) zuschneiden lassen, jeweils 50x50cm.

Feuerwerk fotografieren – ein paar Tipps von mir

Es steht wieder einmal Silvester an. Überall werden Böller gezündet und Raketen in die Luft geschossen. Als Besitzer einer Kamera fragt man sich immer wieder, wie man Feuerwerk am besten fotografiert.

Eins gleich vorweg, es gibt kein Patentrezept. Alles was ich hier schreibe, basiert auf meinen Erfahrungen.

Vorm eigentlichen Fotografieren muss man erstmal ein paar Überlegungen anstellen. Wo fotografiere ich? Was will ich alles aufs Bild bekommen? Wie ist das Wetter und woher kommt der Wind? Welche Ausrüstung nehme ich mit?

Standort

Ich stelle mich lieber etwas weiter weg vom Feuerwerk, um möglichst viel aufs Bild zu bekommen. Nichts ist ärgerlicher, als wenn Teile vom Motiv abgeschnitten sind. Croppen kann man später immer noch. Mehr dazu beim Punkt Einstellungen. Euer Standort sollte nicht grad in Windrichtung des Feuerwerks liegen, denn spätestens nach 5 Minuten seht ihr durch den Rauch nichts mehr. Wasser vor einem Feuerwerk macht sich auch immer gut, da die Reflektionen sehr schön aussehen.

fireworks in Dresden

Ausrüstung

Ein Stativ ist in meinen Augen unabdingbar. Aus der Hand lässt sich ein Feuerwerk nicht gut fotografieren. Man ist was die Belichtungszeit betrifft zu sehr limitiert. Ein Fernauslöser ist von Vorteil, denn so könnt ihr die Finger von der Kamera nehmen. Die Spiegelvorauslösung ist zwar eine feine Sache, um Verwacklungen weiter zu reduzieren, allerdings verzögert sie auch die Auslösung. Das müsst ihr dann mit bedenken, wenn ihr fotografiert.

Ich nutze meist ein recht weitwinkliges Objektiv um Feuerwerke zu fotografieren. Also entweder mein 11-16mm Tokina oder mein 16-85mm Nikkor, Mehr als 24mm Brennweite stelle ich aber nie ein. Lichtstark muss das Objektiv auch nicht sein. Feuerwerke sind hell genug.

Manchmal sind auch 11mm nicht weit genug, wenn das Feuerwerk zum Beispiel sehr streut oder man doch noch zu nah dran ist.

Einstellungen

So, nun zum interessanten Teil, den Einstellungen. Vom ISO-Wert gehe ich meist sehr weit runter, also ISO100 bist ISO200. Als Brennweite nutze ich meistens alles zwischen 11 und 24mm, bei Blendenzahlen von f/4 bis f/8. Meistens nutze ich eine Blende von f/5.6.

Die Belichtungszeit sollte nicht zu kurz sein, denn sonst sieht man nur Punkte oder kurze Linien und das ist nicht so hübsch. 1/10s ist meistens zu kurz, aber manchmal reicht schon eine halbe Sekunde aus. Hängt von der Art des Feuerwerks ab.

Zwischen 1s und 10s klappt meistens ganz gut. 5s sind meistens ein guter Startwert.

fireworks in Dresden

10s und länger sind dann sinnvoll, wenn es nicht nur ein Feuerwerk ist, sondern ihr viele zeitlich etwas versetzt abgefeuerte Raketen einfangen wollt. Wie zum Beispiel hier auf der Augustusbrücke in Dresden.

fireworks in Dresden

Manche Fotografen empfehlen auch den Bulb-Modus, der einen in die Lage versetzt, individuell und nach Gefühl zu belichten. Ich mache das kaum, weil ich persönlich dabei immer zum Überbelichten neige. Und bei ausgebrannten Bereichen ist auch in der Nachbearbeitung kaum noch was zu retten.

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß beim Feuerwerke fotografieren und natürlichen eine guten Rutsch.

Gläserne Manufaktur Dresden – Making-of Teil 2: Photoshop

Nachdem es im Teil 1 des Making-ofs um den Weg zu den Fotos und um die recht kurze Bearbeitung in Lightroom ging, werde ich in diesem Teil meine Arbeitsschritte in Photoshop erläutern.

Zu allererst muss ich jedoch sagen, dass ich kein Photoshop-Profi bin und jeden Tag noch dazulerne. Also wenn der Workflow ineffizient und nicht erstklassig ist, seht es mir bitte nach.

Ausgangsfoto in Photoshop

Ausgangsfoto in Photoshop

Anhand dieses Fotos möchte ich meinen Weg der Bearbeitung in Photoshop erläutern. Oben seht ihr das Ausgangsfoto; so sah das korrekt belichtete Bild aus. Dieses habe ich dann in Photoshop CC geladen und als Hintergrundebene genutzt.

In Photoshop geladenes Ausgangsbild

In Photoshop geladenes Ausgangsbild

Danach habe ich die anders belichteten Fotos als neue Ebenen eingefügt und diese jeweils schwarz maskiert (entweder die Alt-Taste gedrückt halten beim KLicken aufs Masken-Symbol, oder Maske erstellen und dann Strg+i drücken). Dann habe ich mir angeschaut, welche Bereiche bei welchen Fotos am besten aussahen und die meisten Details zeigten. Die nicht mehr benötigten Ebenen habe ich dann wieder gelöscht.

Erste Ebene: Strukturen wiederherstellen

Erste Ebene: Strukturen wiederherstellen

Die dunkelste Ebene habe ich im Modus weiches Licht und mit 30% Deckkraft angewendet, so sah das Ergebnis am harmonischsten aus. Zudem habe ich die Maskierung nun so angepasst, dass alle über-strahlten Bereiche wieder Zeichnung bekamen. Den Himmel rechts habe ich auch mit dieser Ebene verarbeitet, da ich ihn sowieso sehr dunkel gestalten wollte. Ich habe einfach mit einem weißen Pinsel die schwarzen Bereiche der Maske weiß gemacht, natürlich genau an den Stellen, bei denen ich die Ebene anwenden wollte.

Zweite Ebene: Himmel

Zweite Ebene: Himmel

Die zweite Ebene habe ich im Modus normal mit 100% Deckkraft angewendet, um den Himmel dunkler zu machen. Klar, ich hätte den Himmel folglich bei der ersten Ebene nicht mit maskieren müssen, aber da meine Bearbeitung Ebene für Ebene erfolgte, war es da schon passiert. Ich habe übrigens beim Maskieren häufiger das Polygon-Lasso-Werkzeug genutzt und eine Auswahl erstellt, die ich dann weiß ausgemalt habe. Vor allem bei geraden Gebäudestrukturen und -formen ist diese Methode genauer, als wenn man nur mit dem Pinsel arbeitet. Zudem geht es viel schneller.

Dritte Ebene: Tower

Dritte Ebene: Tower

Die dritte Ebene ist eins von den überbelichteten Foto und die habe ich wieder im Modus weiches Licht angewendet. Die Deckkraft beträgt nur 65%. Durch die erste Ebene bekam ich zwar wieder etwas Zeichnung in die Elemente des Towers, jedoch wurden einige Teil zu dunkel. Ich wollte jedoch, dass die strahlende Beleuchtung des Towers wieder besser zur Geltung kommt. Deswegen habe ich in dieser Ebene wieder etwas Helligkeit in den Bereich des Towers zurückgebracht.

Vierte Ebene: Dach

Vierte Ebene: Dach

Mit der vierten Ebene wollte ich das Dach und Teile der ins Bild ragenden Säule aufhellen und auch etwas Glanz zurückbringen. Diese Ebene habe ich im Modus normal bei 100% Deckkraft angewendet und wieder die entsprechenden Bereiche maskiert. Damit ist der Teil der Bereichskorrekturen was Helligkeit und Strukturen betrifft abgeschlossen. Die vier Ebenen habe ich dann in eine Gruppe mit dem Namen „Bereichskorrekturen“ gepackt, damit ich später noch den Überblick habe, was genau der Zweck jeder Ebene ist.

Retusche

Retusche

Als nächstes habe ich eine leere Ebene hinzugefügt, die ich für die Retusche genutzt habe. Dazu habe ich den Reparatur-Pinsel genutzt. Wichtig dabei ist, dass er die aktuelle und alle darunterliegenden Ebenen aufnimmt, denn sonst kommt es entweder zu einer Fehler-meldung, dass keine Pixel gewählt sind, oder es kann zu ungewollten Ergebnissen kommen, wenn ihr schon weitere Ebenen über der Retusche-Ebene angelegt habt.
Ich habe nun ein paar hässliche Flecke im Dachbereich und die fünf Lichtflecken im Himmel retuschiert.

Schärfen

Schärfen

Der letzte Schritt ist das Schärfen. Dazu habe ich alle Ebenen dupliziert und auf eine Ebene reduziert, das geht ganz leicht mit Shift+Strg+Alt+E. Dann habe ich die Ebene mit der Option Helligkeit und Kontrast im Bild-bzw. Korrekturen-Menü auf -50 gestellt, obei ich die Option „Früheren Wert verwenden“ gewählt habe. Danach habe ich den Hochpassfilter mit einem Radius von 10 Pixeln angewendet. Diese entstehenden Ebene ist natürlich alles andere als schön, da sie eigentlich nur noch Strukturen zeigt, jedoch keine Farben mehr. Also muss sie im Modus lineares Licht angewendet werden, damit eben nur die Strukturen betont werden, nicht aber die Flächen. Weil ich das ganze etwas überschärft fand, habe ich die Deckkraft der Ebene auf 65% zurückgenommen.

Damit ist das Foto fast fertig bearbeitet. Ich habe es dann abschließend nochmal in Lightroom geladen und den leichten Rotstich, den das Lightroom-Preset am Anfang eingefügt hat, wieder entfernt. Während der Bearbeitung in Photoshop wurde mir langsam klar, dass er doch nicht so ganz zu den Fotos passt.

Erst nachdem ich schon fertig mit Bearbeiten war, habe ich ein kurzes Video von Jimmy Mcintyre gesehen, wie das Zusammenfügen verschiedener Belichtungen (auch Exposure-Blending genannt) mit Hilfe von Luminanz-Ebenen noch viel schneller und besser geht. Wenn mal wieder schlechtes Wetter ist, werde ich das mal ausprobieren.

 

Langzeitbelichtungen am Tag

In diesem Beitrag soll es um Langzeitbelichtungen am Tag gehen und wie ich das Foto „Sanfte Ostsee“ gemacht habe.

Während es nachts recht einfach ist, lange Belichtungszeiten zu erzielen, ist es bei Tageslicht eher schwer. Selbst mit sehr kleinen Blenden, also ab f/16 oder noch kleiner, ist es kaum möglich, auf Belichtungszeiten länger als 1/10s zu kommen. Und selbst wenn man es mit z.B. f/32 schafft, muss man mit den Nachteilen solch weit geschlossener Blenden leben. Es wird zu Beugungsunschärfen kommen, die dazu führen, dass das Foto nicht so recht scharf wirkt, obwohl eigentlich so gut wie alle Bildbereiche im Fokus liegen sollten. Manchmal möchte man auch mit kreativer Unschärfe arbeiten, wodurch sich eine weit geschlossene Blende von selbst verbietet. Was kann man also tun?

Man muss dafür sorgen, dass weniger Licht zum Sensor vordringt. Genau das schafft ein Graufilter. Ein solcher Filter funktioniert ähnlich wie eine Sonnenbrille, er lässt weniger Licht hindurch ohne idealerweiser die Farben zu beeinflussen. Es gibt schon relativ preiswerte Exemplare zu kaufen, wie zum Beispiel die von Haida. Ich selbst nutze zwei dieser Filter, einmal mit 77mm und einmal mit 67mm Durchmesser, und bin sehr zufrieden mit ihnen.

Warum will man eigentlich lange Belichtungszeiten am Tag erreichen? Ganz einfach, weil der Effekt der ziehenden Wolken eine ungewohnte Dynamik erzeugt, geglättetes Wasser wirkt beruhigend und lenkt den Blick des Betrachters auf andere, interessantere Bildinhalte.

ohne ND-Filter - farbig

Das obere Foto zeigt die gleiche Szenerie wie das nachfolgende Foto. Während das obere eher uninteressant wirkt, erzeugt das untere eine gewisse Atmosphäre, die den Betrachter verleitet, den Blick schweifen zu lassen und immer wieder neues im Bild zu entdecken.

mit ND-Filter - farbig

Der einzige Unterschied zwischen beiden Fotos liegt in der Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert sind identisch. Das erste Foto wurde mit 1/50s belichtet, das zweite mit 30s.

Anschließend habe ich das Foto in Lightroom 4 in schwarzweiß konvertiert, da ich den monochromen Look einfach sehr mag. Nur der Vollständigkeit halber habe ich auch das kurz belichtete Foto in der selben Weise in schwarzweiß konvertiert.

ohne ND-Filter - monochrom

silky sea

Was man auf jeden Fall für derartige Fotos, außer einem Graufilter braucht, ist ein stabiles Stativ und eine Sucherabdeckung. Während sich das Stativ bei Belichtungszeiten von über 1s von selbst erklärt, ist der Nutzen einer Sucherabdeckung nicht allen sofort klar. Auch wenn der Spiegel der DSLR nach oben klappt, kann es sein dass Licht durch den Sucher zum Sensor gelangt. Das führt zu einem reduzierten Kontrast und im schlechtesten Fall zu falsch belichteten Bildbereichen und zum Verlust von Bildinformationen. Also deckt euren Sucher ab, um derlei Probleme zu vermeiden. Das gilt natürlich nur für die Nutzer von Spiegelreflexkameras, Nutzer von Systemkameras werden diese Probleme nicht haben.

Der oben gezeigte Unterschied zwischen 1/50s und 30s Belichtungszeit ist sehr gravierend und deshalb möchte ich auch noch die Unterschiede zwischen 2s, 4s und 30s zeigen. Auch dieses Mal müssen der Strand von Koserow auf Usedom und die Ostsee herhalten.

2s
2s Belichtungszeit

4s
4s Belichtungszeit

30s
30s Belichtungszeit

Der Unterschied zwischen 2s und 4s Belichtungszeit ist lediglich eine etwas ausgeprägtere Glättung der Wellen, der Himmel sieht so gut wie identisch aus und zeigt noch keinerlei Dynamik durch Bewegungsunschärfe. Bei 30s Belichtungszeit ist das Meer milchig und wirkt sehr glatt, zudem zeigt der Himmel mehr Dynamik. Das alles hängt natürlich sehr von der Stärke der Wellen und der Geschwindigkeit der Wolken ab, welche Belichtungszeit die richtige ist, muss vor Ort ermittelt werden. Erfahrung hilft zwar, aber manchmal muss man auch mal experimentieren und verschiedene Kombinationen aus Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert ausprobieren.

Wer sich für Langzeitbelichtungen interessiert, dem lege ich das Buch „Langzeitbelichtungen und Nachtfotografie“ von Ronny Ritschel ans Herz. Es vermittelt alle Grundlagen der Fotografie mit langen Belichtungszeiten mit Hilfe von sehr vielen Beispielen.

Strahlende Blüten – ein Setup für Blütenfotografie

Heute früh habe ich zwei Fotos einer gefüllten Narzisse gepostet und hier möchte ich nun kurz zeigen, wie die Fotos entstanden sind.

Es gibt viele Möglichkeiten Blüten zu fotografieren, jedoch nicht viele Wege, sie zum Leuchten zu bringen. Setzt man das Hauptlicht nämlich relativ frontal zur Blüte, wird sie zwar hell, aber nicht strahlen. Es geht meistens Struktur und damit auch Glanz verloren. Kommt das Hauptlicht jedoch aus einer Gegenlichtposition, also durch die Blüte hindurch, bleibt die Struktur der Blütenblätter erhalten und wird sogar teilweise etwas verstärkt. Ein schwarzer Hintergrund verstärkt das Gefühl, dass die Blüte von selbst leuchten würde. Allein, der Gesamtkontrast und die Farbsättigung des Bildes werden durch die Gegenlichtsituation etwas beeinträchtigt. Das lässt sich jedoch leicht in Lightroom (oder einem anderen Raw-Konverter) korrigieren.

Sollte das Innere der Blüte etwas zu dunkel sein, kann man dies mit einem frontalen, gerichteten Blitz  aufhellen. Er sollte jedoch relativ weit heruntergeregelt werden, um nicht zum Hauptlicht zu werden.

Belichtungszeit und Blende habe ich vorgegeben (f/11 bis f/16 bei 1/200s und ISO100) und dann mittels der Leistungseinstellung der Blitze dafür gesorgt, dass die Belichtung passt. Dafür ist etwas Probieren notwendig, aber mit zunehmender Erfahrung hält sich die Anzahl der Testfotos in Grenzen 😉

Hier nun das entsprechende Setup als Foto:

Blütenfotografie Setup

Blütenfotografie Setup

Gerade bei Makroaufnahmen ist ein stabiles Stativ unabdingbar! Denn das schärfste Makroobjektiv nützt nichts, wenn das Bild verwackelt wird.

Ich habe für die Aufnahmen folgendes Ausrüstung benutzt:

  • Nikon D7000
  • Tamron 90mm Makro-Objektiv
  • 3 Systemblitze (2x Yongnuo, 1x Metz)
  • Funk-Blitzauslöser
  • schwarzen Karton als Hintergrund (ein Bogen 50x70cm kostet bei Pfennigpfeiffer nicht mal 1€)
  • Stativ (Manfrotto 055XPROB mit Manfrotto 498RC2 Kugelkopf).

Das soll es auch schon zum Thema leuchtende Blüten fürs Erste gewesen sein.

gefüllte Narzisse

gefüllte Narzisse

Meine Arbeitsweise in Lightroom 4 – Making-of Wertach

Da es großes Interesse an meinem Foto „Wertach“ und dem Artikel  „Lightroom 4 und die D7000“ gab, habe ich mich entschlossen, am Beispiel des Wertach-Fotos meine Arbeitsweise in Lightroom 4 bei Landschaftsfotos zu erläutern. Dabei soll es ausschließlich um die Bildbearbeitung, genauer gesagt die Raw-Entwicklung gehen. Wie ich Fotos aussortiere und ordne/archiviere, werde ich später mal erläutern.

Nach dem Import der Raw-Dateien, und noch vor dem ersten Aussortieren, frage ich mich häufig, ob manche Fotos überhaut noch zu retten sind. Und vor allem, wie ich es vielleicht bewerkstelligen könnte. Meist entwickle ich beim Probieren schon eine grobe Idee, wie das spätere Foto einmal aussehen soll. Nun zum Wertach-Bild; so sah das Foto im unbearbeiteten Zustand (häufig auch als „out-of-cam“ bzw. „ooc“ bezeichnet) aus:

Start in Lightroom - die unbearbeitete Raw-Datei

Start in Lightroom – die unbearbeitete Raw-Datei

Man kann gut sehen, dass der Himmel zu großen Teilen einfach nur weiß ist, jedoch nicht ausgebrannt. Dazu kann man sich in Lightroom die Lichterbeschneidung anzeigen lassen, entsprechende Bereiche sind dann rot markiert. Bei diesem Foto war das nur bei dem Teil der Fall, der später mal als Sonne erkennbar wird (oben links). Auf der anderen Seite wirkt die Landschaft sehr flau und kontrastarm. Das ganze Bild wirkt somit eher langweilig und wenig betrachtenswert. Dies wollen wir nun ändern! Dazu geht man in den Entwickeln-Modus (Tastenkürzel „d“) und fängt an.

Als erstes klicke ich bei solchen Extremfällen zumeist erstmal auf den Button „Autom.“ im Abschnitt „Tonwert“. Jetzt versucht Lightroom automatisch die Tonwerte zu optimieren. Das Ergebnis ist meist ein guter Einstieg in die nachfolgende Bearbeitung. Alternativ kann man auch mit sogenannten Presets starten. Diese sind links im Entwickeln-Modul zu finden. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Presets kann man sich im Internet weitere Presets herunterladen, teilweise kostenlos, teilweise kostenpflichtig. Eine gute Seite für kostenlose Presets ist lightroomkillertips.com. Beim Wertach-Bild startete ich jedoch mit der automatischen Tonwertanpassung.

automatische Tonwertanpassung in Lightroom

automatische Tonwertanpassung in Lightroom

Das Ergebnis ist etwas besser geworden. Dass sich etwas am Foto getan hat, sieht man sehr deutlich am Histogramm oben rechts in Lightroom. Die Lichter wurden abgesenkt, die Tiefen angehoben und die Mitteltöne verstärkt. Aber das Resultat reicht mir nicht, denn dem Foto fehlt eindeutig immer noch der Pepp. Also sehe ich mir jetzt jeden Schieberegler im Tonwert-Abschnitt einzeln an und optimiere weiter. Zuerst Belichtung und Kontrast. Lightroom neigt dazu den Kontrast unnötig zu reduzieren und die Fotos etwas zu hell zu entwickeln. Also reduziert man den Wert bei „Belichtung“ etwas (hier von -0.1 auf -0.2), bei machen Fotos muss man viel mehr reduzieren (vor allem bei LowKey-Aufnahmen). Als nächstes wird der Kontrast wieder angehoben (von -14 auf +25).

Anpassung von Belichtung und Kontrast

Anpassung von Belichtung und Kontrast

Als nächstes werden die Lichter und die Tiefen, sowie der Weiß- und Schwarzwert angepasst. Die Licher werden weiter abgesenkt, die Tiefen ein ganzes Stück mehr aufgehellt – deswegen war auch die Erhöhung des Kontrastes nötig, da dieser Schritt den Kontrast wieder etwas reduziert. Weiß- und Schwarzwert habe ich kaum verändert. Hin und wieder muss man in Lightroom den Schwarzwert sehr stark reduzieren, z.B. bei LowKey- und Nachtaufnahmen, bzw. den Weißwert erhöhen, z.B. bei HighKey-Aufnahmen.

Anpassung der Lichter und Tiefen

Anpassung der Lichter und Tiefen

Die Veränderungen lassen sich im Bild vor allem an den Ufern, aber auch ein wenig am Himmel erkennen. Der nächste Schritt ist nun die Anpassung der Klarheit, Dynamik und der Sättigung. Die Klarheit erhöhe ich fast bei jeden Foto, da ich den Look einfach mag. Die Kanten erscheinen härter und das Foto damit wieder etwas kontrastreicher. Auch die Dynamik muss bei so einem flauen Foto angehoben werden, einfach um die Farben lebendiger wirken zu lassen (im Englischen heißt dieser Punkt „Vibrance“, was ich persönlich für die bessere Bezeichnung halte). Dazu wird die Sättigung erhöht, um die Farben kräftiger erscheinen zu lassen.

Anpassung der Präsenzparameter

Anpassung der Präsenzparameter

Diese Änderungen sind deutlich im Foto zu sehen und machen es schon sehenswerter. Nach der Anpassung der Präsenzwerte, gehe ich weiter zum Punkt „Gradiationskurve“ und stelle hier den Wert „Punktkurve“ häufig auf „mittleren Kontrast“. Der Kontrast wird dadurch noch etwas knackiger.

Anpassung der Gradiantionskurve

Anpassung der Gradiantionskurve

Das war es auch schon mit den allgemeinen Anpassungen für das gesamte Bild, jetzt kommen noch einige selektive Veränderungen an die Reihe. Über dem linken Zufluss der Wertach sind bei vergrößerter Ansicht blaue Schilder und ein blau leuchtender Turm zu sehen. Diese stachen mir zu sehr ins Auge und lenkten den Blick immer wieder auf sich. Hier hilft es die Bereiche einfach etwas zu entsättigen, damit sie weniger dominant sind. Dafür nutze ich den Korrekturpinsel (oben rechts unterhalb des Histogramm zu finden) und stelle bei ihm den Wert „Sättigung“ auf -100. Es reicht hierbei, den Pinsel grob über die entsprechenden Bereiche zu führen. Durch das Anheben der Sättigung für das ganze Bild, wird kein Bereich, den man überpinselt, völlig entsättigt, bzw. monochrom. Etwas Sättigung bleibt erhalten. Daher muss man nicht allzu präzise arbeiten. Man hat hier die Möglichkeit, sich die überpinselten Bereiche farbig anzeigen zu lassen, oder das Veränderungen 1:1 zu sehen. Zwischen den Ansichten kann man einfach mit der Taste „o“ wechseln.

Anpassungen mittels Korrekturpinsel

Anpassungen mittels Korrekturpinsel

Als letzten wichtigen Schritt nehme ich mich des Himmels an, und zwar mit Hilfe des Verlaufsfilters (ebenfalls oben rechts unterhalb des Histogramms zu finden). Dabei legt man die Grenze zwischen zwei Gebieten des Fotos fest und legt ebenfalls die Ausprägung des Übergangs fest. Ich wollte einen relativ harten Übergang zwischen Himmel und Landschaft, daher ist dieser relativ schmal geraten. Den Himmel wollte ich nun etwas dramatischer gestalten, also musste die Belichtung abgesenkt werden. Dazu kam noch eine Erhöhung des Kontrastes, eine weitere Absenkung der Lichter, die Erhöhung der Klarheit, sowie die Erhöhung der Sättigung.

Anpassung des Himmels mittels des Verlaufsfilters

Anpassung des Himmels mittels des Verlaufsfilters

So, nun sieht der Himmel so aus, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Aber eine kleine Sache fiel mir dann auf; ich hatte einen Fleck auf dem Foto, rechts oberhalb der Bäume im Himmel. Wahrscheinlich stammt der von einem Staubkorn auf dem Sensor. Durch das starke Anheben der Klarheit und des Kontrastes wurde dieser Fleck nun sichtbar. Den zu entfernen ist aber in Lightroom kein Problem, dafür gibt es das Werkzeug „Bereichsreparatur“. Man stellt nun einfach das Werkzeug auf die gewünschte Größe und klickt den Bereich an. Lightroom sucht dann automatisch einen umliegenden Bereich, den es als Basis für die Reparatur nimmt. Achtung, nehmt nicht die Einstellung „Kop.Stempel“ (Kopierstempel), denn dann kommt es oft zu harten, sichtbaren Kanten im Bild, da hier einfach ein Referenzbereich kopiert wird. Die Einstellung „Repar.“ (Reparieren) ist die eindeutig bessere Wahl beim Entfernen von Sensorflecken. Die 100%-Ansicht hilft beim Arbeiten mit dem Werkzeug Bereichsreparatur ungemein, da man hier die Flecken besser sieht und die Größe des Werkzeugs optimal einstellen kann.

Entfernung eines Sensorflecks mit der Bereichsreparatur

Entfernung eines Sensorflecks mit der Bereichsreparatur

So, nun ist das Foto fertig bearbeitet und kann als Jpeg exportiert werden. Die ganze Bearbeitung dauert in der Regel um die 5 Minuten, wenn man etwas Übung in der Arbeit mit Lightroom hat.

Wie man sieht, braucht man für vieles nicht unbedingt Photoshop zu bemühen, denn Lightroom bietet viele Möglichkeiten zur Bildbearbeitung. In Sachen Raw-Entwicklung ist es Photoshop aufgrund seines Funktionsumfanges sogar überlegen!

Das soll es auch schon gewesen sein, mit diesem kleinen Tutorial zur Bearbeitung von Landschaftsfotos in Lightroom 4. Falls weitere Fragen auftauchen, scheut euch nicht, sie zu stellen 🙂